"Kurier" vom 10.01.2017 Seite: 7 Ressort: Kompakt Kompakt
Wien
 

"Sie ist der verlängerte Arm der Stadt Wien"

Spitäler.Ärztekammer und Patientenanwältin Pilz machen sich gegenseitig Vorwürfe
 
Wegen der aktuellen Gangbetten-Misere in den Gemeindespitälern ist ein heftiger Streit zwischen Ärztekammer und Patientenanwältin Sigrid Pilz ausgebrochen. Pilz hatte zuletzt kritisiert, dass während der Weihnachtsferien auch zu viele niedergelassene Ärzte auf Urlaub gewesen seien.
 
Das sei nichts weiter als ein abermaliger haltloser Angriff auf die Ärzte, ist man bei der Kammer empört. "Tatsächlich waren knapp zwei Drittel der Hausärzte über die Feiertage im Einsatz. Das lässt sich auch über die Daten der Kassen belegen. Obendrein besteht kein Zusammenhang zwischen Gangbetten und der hausärztlichen Versorgung", sagt Präsident Thomas Szekeres.
 
Schuld an der Misere sei vielmehr Missmanagement in Krankenanstaltenverbund (KAV). Doch darüber dürfe Pilz nicht reden. "Ich habe den Eindruck, sie ist der verlängerte Arm der Stadt Wien", wettert Szekeres. "Ich frage mich, wie sie überhaupt noch in den Spiegel schauen kann."
 
"Untergriffig", nennt das Pilz. "Die Ärztekammer versucht auf meinem Rücken, ein politisches Spiel zu betreiben." Sehr wohl würde sie sich um die Missstände im KAV kümmern. Zuletzt sei sie im Wilhelminenspital gewesen, das von der Gangbetten-Problematik besonders betroffen ist.
 
"Selbst die Zahlen der Ärztekammer zeigen, dass zwischen 27. und 30. Dezember nur 57 Prozent der Ärzte im Einsatz waren", sagt Pilz.
 
Sehr wohl könnten die Hausärzte die Spitäler entlasten, ist die Patientenanwältin überzeugt: "Bei älteren dehydrierten Patienten etwa, würde es genügen, wenn sie vom Hausarzt besucht werden."
 
Wie die Gangbetten-Problematik entschärft werden könnte, lesen Sie im Mittwoch-KURIER.