"Kronen Zeitung" vom 08.08.2017 Seite: 10 Ressort: Lokal Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg
Krankenkassen sparen - Längere Wartezeiten in den Praxen - Pensionierungswelle rollt an - Jungmediziner winken ab

Alarm: Immer mehr Orte ohne Hausarzt!

Es ist kein neues Phänomen, doch vakant: Den Bergdoktor, den Hausarzt in der Dorfpraxis oder den vertrauten Mediziner im Gemeindebau wird es bald nicht mehr geben. 67 Kassen-Praxen für Allgemeinmediziner standen im März in Österreich leer – Tendenz steigend. Nachfolger für Hausärzte sind kaum noch zu finden.
 
Hausarztpraxen droht das Aus: Mediziner finden nur noch selten Nachfolger. Viele Kassen-Ordinationen standen im März leer.
 
„Wir stehen vor einem Dilemma", sagt Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Seine Prognosen sind düster: Denn das bewährte System der flächendeckenden Hausärzte-Versorgung könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Keine Abgeltung von Sonderleistungen, enormer Druck, wirtschaftliches Risiko. „Wer von unseren Nachwuchs-Allgemeinmedizinern will sich das antun? Die Jungen werden Fachärzte, verdienen besser und genießen mehr Prestige."
 
Vier von zehn Medizinabsolventen verlassen das Land, um Karriere zu machen, anstatt Hausarzt zu werden. Damit einher gehen natürlich längere Wartezeiten in den noch offenen Praxen. Andreas Obermaier, Direktor der Wiener Gebietskrankenkasse, wollte den Vorwurf „schlechter Kassenverträge" im Ö1-Interview nicht auf sich sitzen lassen: „Die sind nicht unattraktiv." Durchschnittlich bekäme ein Allgemeinmediziner im Jahr 286.000 Euro (brutto) ausbezahlt.
 
Fakt ist: Dem Land droht ein dramatischer Ärztemangel. Szekeres warnt: „60 Prozent von 14.000 Allgemeinmedizinern gehen in den kommenden Jahren in Pension." Sandra Ramsauer
 
Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer:
Niemand will mehr Hausarzt werden. Wir befinden uns hier vor einem echten Dilemma, dem wir rasch entgegensteuern müssen.