"Wiener Zeitung" Nr. 198 vom 11.10.2017 Seite: 19 Ressort: Wien Wiener Zeitung

Ärzte warnen vor Ärztemangel

Babyboomer-Generation geht in Pension – Bei Umfrage ist für 51 Prozent der Österreicher die Gesundheit ein Zwei-Klassen-System.

Wien. Alle antretenden Parteien kommen bei der von der Ärztekammer Wien in Auftrag gegebenen Umfrage eher schlecht weg. Prozentuell am höchsten liegt die ÖVP: Neun Prozent der befragten Ärzte finden, dass die Schwarzen sehr gute Ideen und Konzepte für eine Reform des Gesundheitssystems haben. Sieben Prozent der Bevölkerung sehen das auch so. Alle anderen Parteien schneiden – noch – schlechter ab.

Für Kammerpräsident Thomas Szekeres und Vize Johannes Steinhart sind die von Meinungsforscher Peter Hajek präsentierten Ergebnisse ein eindeutiges Zeichen: 45 Prozent der 1000 abgefragten Österreicher meinen, dass das Gesundheitssystem in eine falsche Richtung läuft. 71 Prozent der Ärzte sehen das genau so. Von Hajek befragt wurden 1000 Österreicher ab 16 Jahren und 300 Ärzte aus dem niedergelassenen Bereich in Wien.

Für die Ärztevertreter insgesamt ist der drohende Ärztemangel eine der größten Herausforderungen der Politik. „60 Prozent der Ärzte sind in den nächsten zehn Jahren in Pension", sagt Steinhart am Dienstag. „Hier gibt es noch kein großes Umdenken in der Politik", bedauert er. Einsparungspotenzial würde es wenn, dann nur im Bereich der Bürokratie geben, so Szekeres. Der Gesundheitsbereich sei im Wahlkampf unterrepräsentiert und sei kein Bereich, wo es große Einsparungen geben sollte, wird erneut gewarnt.