Wiener Zeitung" Nr. 174 vom 07.09.2017 Seite: 13 Ressort: Wien Von: Pia Feiel Wiener Zeitung

Fit statt fett

Mit Bewegung, Ernährungsunterricht und Smartphone-App möchte die ÖAIE Kinder vor Übergewicht bewahren.

Wien. Mit 14,7 Prozent liegt der Anteil der Fettleibigen in Österreich leicht unter dem OECD-Schnitt (19,5 Prozent), doch auch hierzulande ist Übergewicht ein Problem. Mit dem Präventionsprojekt „EDDY-Young" möchte das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) deshalb acht- bis zehnjährigen Wiener Volksschülern einen gesunden Lebensstil näherbringen. Erste Ergebnisse wurden gestern präsentiert.

Bisher involviert waren 160 Kinder: In der Interventionsgruppe mit 72 Kindern waren zu Studienbeginn rund 40 Prozent der Kinder übergewichtig, bei der Kontrollgruppe waren es etwas weniger. Im Rahmen des Projekts erhielten die Schüler acht Stunden theoretischen Unterricht, in denen sie Basiswissen über Ernährung vermittelt bekamen. Komplettiert wurde dieser durch 16 Bewegungseinheiten pro Semester. Denn körperliche Aktivität dürfe von einer ausgewogenen Ernährung nicht getrennt werden, wenn es um einen gesunden Lebensstil gehe, so Projektleiter Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE.

Besonders wichtig bei einem solchen Programm sei auch eine häufige Interaktion mit den Kindern: „Prävention muss ein permanenter Prozess sein." Aus diesem Grund wurde eine App entwickelt, mit der die Schüler die Auswirkungen verschiedener Nahrungsmittel auf ein sogenanntes Cally beobachten und Quizfragen beantworten konnten.

Eltern einbinden

Zu Beginn der Initiative wurden die Schüler auf ihre sportlichen Fähigkeiten getestet: Beim sogenannten Deutschen Motorik Test mussten sie unter anderem springen, einen 6-Minuten-Dauerlauf sowie einen 20-Meter-Sprint absolvieren. Nach sechs Monaten wurde erneut getestet, das Ergebnis: In der Interventionsgruppe gab es eine signifikante Verbesserung. Aber nicht nur übergewichtige Kinder steigerten sich, auch die Normalgewichtigen profitierten von zusätzlicher Bewegung und gesunder Ernährung. Darüber hinaus konnte die Muskelmasse erhöht und der Körperfettanteil gesenkt werden. „Durch Prävention kann auch die Körperzusammensetzung verbessert werden", zeigt sich Widhalm erfreut.

Trotz der erfreulichen Ergebnisse; dass solche Schulprojekte kein Allheilmittel gegen einen ungesunden Lebensstil sein können, ist klar. „Eine gesunde Jause in der Schule bringt nichts, wenn die Kinder am Abend ungesund essen und am Wochenende keinen Sport machen", so Widhalm. Aus diesem Grund sei auch die verstärkte Einbindung der Eltern Thema. Während die Zusammenarbeit mit den Lehrern gut funktioniert habe, müsse diese mit den Eltern noch verbessert werden. Dies sei ein wesentlicher Punkt für den Erfolg solcher Projekte. Auch bedürfe es ein Umdenken mancher Lehrer und Erzieher, wenn sie ihre Schützlinge aus Angst vor Verletzungen vom Bewegen abhalten. „Mir ist lieber, sie haben einen gebrochenen Arm als eine Fettleber", sagt Widhalm dazu. Ein Bruch sei nämlich wesentlich einfacher zu behandeln als chronische Krankheiten, die durch Übergewicht hervorgerufen werden.

Fehlende Zuständigkeit

Schwierigkeiten bei der Ausweitung des Projekts seien laut Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres vor allem aufgeteilte Kompetenzen: Das Gesundheitsministerium habe keinen Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung und das Bildungsministerium fühle sich für Gesundheitsbelange nicht zuständig. „Es muss jetzt mehr Geld für Prävention ausgegeben werden, sonst steigen chronische Krankheiten dramatisch an und damit auch die Gesundheitskosten", warnt Szekeres.

Dabei wäre es wichtig, gerade in diesem Bereich früh Maßnahmen zu setzen, meint Widhalm. Denn: „Die Prävention von Übergewicht ist möglich, aber eine Behandlung äußerst schwierig."

Bild: Bewegung im Schulalltag hilft, Übergewicht zu vermeiden. apa/Erwin Scheriau