Wiener Ärztekammer erwägt Volksbefragung zu Rauchverbot

Präsident Szekeres: „Schritt zurück ist kontraproduktiv" - Nichtraucher-Petition hat mittlerweile über 320.000 Unterstützer

Die Wiener Ärztekammer erwägt, eine Volksbefragung zum Rauchverbot zu starten. Die Ärzteschaft, allen voran die Wiener Ärztekammer, überprüfe derzeit, wie sie eine entsprechende Befragung der österreichischen Bevölkerung einleiten könnte, kündigten Präsident Thomas Szekeres und Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Wiener Ärztekammer, am Freitag an.

„Österreich sollte, so wie andere vergleichbare Länder auch, ein Rauchverbot in Lokalen aussprechen. Der Schritt zurück ist kontraproduktiv und schadet der Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher", betonte Szekeres, der sowohl Präsident der österreichischen als auch der Wiener Ärztekammer ist, in einem auf Facebook veröffentlichten Video.

„Österreich ist das Land mit den meisten Raucherinnen. Auch bei Männern belegen wir einen Top-Platz", kritisierte Weismüller, der auch mit dem Jugend- und Arbeitnehmerschutz argumentierte. „Ich glaube, wenn die Politiker hier nicht in der Lage sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen, dass man hier das Volk fragen sollte", sagte Weismüller. Eine bundesweite Volksbefragung wird vom Nationalrat initiiert. Die erste und bisher einzige dieser Art fand 2013 zur Wehrpflicht statt.

Der Widerstand gegen das geplante Kippen des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie durch ÖVP und FPÖ ist nach wie vor groß. Die Österreichische Gesellschaft für Pathologie hat sich am Freitag in einem offenen Brief an ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache gewendet. In Österreich fordere allein das Passivrauchen 1.000 Todesopfer pro Jahr, so die Mediziner. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) verabschiedete am Freitag auf ihrer Vollversammlung die Resolution „Ja zum Nichtraucherschutz".

Laut einer aktuellen Umfrage des Onlinemarktforschungsunternehmens meinungsraum.at mit 800 befragten Österreichern begrüßen 41 Prozent der Gesamtbevölkerung und 70 Prozent der Raucher die Entscheidung der Regierungsverhandler. Gleichzeitig unterstützen mittlerweile mehr als 320.000 die Online-Petition der Krebshilfe. Zum Vergleich: Die Unterschriftenaktion „Don‘t Smoke", die 2015 zum Beschluss des generellen Rauchverbots in der Gastronomie ab Mai 2018 geführt hat, hatte rund 40.000 Unterstützer, darunter war damals übrigens auch Sebastian Kurz.