"Kronen Zeitung" vom 07.10.2017 Seite 12 Ressort: GES Gesundheitsmagazin Von: Martin Rümmele, Redaktion: Dr. Eva Greil-Schähs Gesundheitsmagazin

MEDIZIN MUSS FREI BLEIBEN!

In Österreich sichern die sogenannten Freien Berufe wie Ärzte über 200.000 Arbeitsplätze

Ärzte, Architekten und Ingenieurkonsulenten, Apotheker, Rechtsanwälte, Wirtschaftstreuhänder, Veterinärmediziner, Zahnärzte, Patentanwälte und Notare – sie alle zählen zu den Freien Berufen. Sie sind zwar an klare Regeln gebunden, entscheiden aber frei und unabhängig von Honorar – oder auch im Falle einer Anstellung – von dem, was der Dienstgeber will. Verpflichtet haben sie sich allein ihren fachlichen Regelungen und sind somit weisungsfrei.

Experten diskutierten nun in Wien, warum gerade diese Berufsgruppe so wichtig ist und wie ständige Erlässe, Gutachten und Regelungen diese Selbstbestimmung immer wieder beschneiden. Auch national bauen sich laufend neue Hürden auf.

„In den vergangenen Monaten wurde von der Bundesregierung versucht, die gesetzlich fixierte Handlungsfreiheit, etwa der Ärzte, erheblich einzuschränken. Für den Fall, dass diese sich nicht so verhalten, wie es sich das Bundesministerium für Gesundheit wünscht, könnten Leistungen auch an gewinnorientierte Kapitalgesellschaften übertragen werden", so Prof. Leo Chini vom Forschungsinstitut für Freie Berufe an der Wirtschaftsuni Wien.

Darüber hinaus versucht auch die Europäische Kommission die Handlungsfreiheit der Freien Berufe hinsichtlich Rechtsformen, Gesellschafter und Geschäftsführung im Hinblick auf Gewinnorientierung zu deregulieren. Prof. Chini: „Diese Entwicklungen stellen eine Gefährdung für die Grundsätze, nämlich Unabhängigkeit, Weisungsfreiheit, Verschwiegenheitspflicht und ausschließlicher Dienst zum Wohl des Patienten, dar."

Das Symposium zeigte weiters die Bedeutung der Freien Berufe als vierte Macht in einer Demokratie, die sie aufgrund ihrer Unabhängigkeit mitkontrolliert. Auch für junge Ärzte ein wesentliches Argument, den Beruf zu ergreifen. Fallen diese Werte, gefährdet das also den Nachwuchs. Sowie das Vertrauen zwischen Klienten und Ärzten sowie Apothekern oder auch Rechtsanwälten!

MR Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, unterstrich, dass Standesregeln wie Unabhängigkeit, Weisungsfreiheit, unabdingbare Verpflichtung zur Erhaltung der medizinischen Erfordernisse und Wahrung des Arztgeheimnisses keine – wie oft behauptet – Privilegien der Ärzte sind, sondern den Patienten dienen.