Sehr geehrte Frau Kollegin!
Sehr geehrter Herr Kollege!

 

Engpässe auf Wiener Geburtenstationen
In Wiens Spitälern gibt es nach wie vor Engpässe bei der Versorgung von werdenden Müttern. Die Geburtenstation im Wilhelminenspital ist massiv überlastet. Eine der Ursachen der Engpässe ist die Schließung der Geburtenabteilung im Hanusch-Spital der Wiener Gebietskrankenkasse im Jahr 2016, wo pro Jahr rund 1100 Kinder auf die Welt kamen. Insgesamt haben in den Häusern des Krankenanstaltenverbunds im ersten Halbjahr 2017 5521 Frauen entbunden. Aufgrund von Patientenbeschwerden im Frühjahr hatte der KAV einen Ausbau angekündigt, der laut der Personalvertretung des Wilhelminenspitals aber nicht ausreiche.
Die Abteilung würde zwei Ärztinnen oder Ärzte mehr benötigen, diese Forderung ist aber nicht erfüllt worden. Zudem fehlen laut Personalvertretung drei Hebammen. Das Problem überlasteter Geburtenstationen könnte sich im kommenden Jahr durch die Zusammenlegung der Geburtenabteilungen der Vinzenz-Gruppen-Häuser Göttlicher Heiland und St.-Josef-Spitals verschärfen. Im KAV verweist man auf die geplante zentrale Geburten-Anmeldestelle, die die Situation verbessern soll, während man in Niederösterreich schon weiter ist. Im Spital Mödling, das die größte Geburtenstation Niederösterreichs hat, wird seit Kurzem ein Geburts-Frühanmeldesystem getestet. Über ein Online-Formular oder auch telefonisch können sich Schwangere anmelden, sobald sie im Besitz eines Mutter-Kind-Passes sind. Auf Basis der Anmeldungen erfolgt eine wochenweise Planung der Kapazitäten.


Gesundheitsreform - heiße Luft statt großer Wurf
Es sind kleine Erfolge, mit denen sich die Gesundheitspolitiker aktuell groß schmücken: Die Zahl der Spitalsbetten pro Kopf sowie die Rate der Spitalsaufenthalte ist etwas zurückgegangen. Während der erste Monitoringbericht zur Gesundheitsreform noch für 2012 eine Krankenhaushäufigkeit von 23,2 Aufnahmen je 100 Einwohner und Jahr attestierte, weist der rezente Bericht für 2016 einen Wert von 21,3 Aufnahmen auf. Trotzdem bleibt Österreich im internationalen Vergleich mit der Krankenhaushäufigkeit immer noch mit an der traurigen Spitze.
Gleichzeitig wird ein OECD-Bericht als angeblich messbarer Erfolg der Gesundheitsreform und zur Verteidigung der horrenden Verwaltungskosten der österreichischen Sozialversicherung genutzt: Nach dieser Studie, die am Samstag in der "ZiB 1" vorgestellt wurde, ist der Anteil der Verwaltungskosten in Österreich mit 2,8 Prozent der Einnahmen international betrachtet niedrig. Für die Ärzteschaft ist das kein Grund für Enthusiasmus. Von den Gesundheitsreformen der Vergangenheit ist bisher nichts zu spüren, außer Einsparungen zulasten der Patienten und die Verdoppelung diverser Gremien im Rahmen des Bundes-Zielsteuerungsprozesses. Hinzu kommen die Verlängerung von Wartezeiten sowie die kontinuierliche Blockade der ambulanten Versorgung durch die Krankenkassen, die sich in der steigenden Zahl an Wahlärzten und sinkenden Zahl an Kassenärzten manifestiert. Dass unser Gesundheitssystem trotz aufgeblähter Bürokratie immer noch funktioniert, ist nur den Menschen zu verdanken, die tagtäglich am Patienten arbeiten. Für die Ärztekammer ist das bis dato vorliegende Ergebnis der "Gesundheitsreform" eindeutig: Noch mehr Apparat produziert noch mehr heiße Luft. 

 

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Mit kollegialen Grüßen

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