Spitalsärzte-Umfrage: „Noch immer große Organisationsprobleme im KAV"

Arbeit der Ärztekammer positiv von Ärzteschaft bewertet – Weismüller: „Nachtdienste zwingen Kolleginnen und Kollegen zu Überstunden" 


Im Jänner 2018 beging das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) sein mittlerweile dreijähriges Jubiläum. Die Ärztekammer nahm dies zum Anlass, von 10. Jänner bis zum 4. Februar 2018 eine Evaluation der Umsetzung des KA-AZG seit den Ärzteprotesten im Herbst durchzuführen. Im Fokus der Umfrage standen unter anderem die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen beim ärztlichen Arbeitsaufwand, die Berücksichtigung der ärztlichen Ausbildung sowie die damit verbundene Qualität der Patientenversorgung.


Von der Ärztekammer beauftragt wurde die unabhängige Beratungsfirma IFES – Institut für empirische Sozialforschung GmbH. Insgesamt wurden 4494 Kolleginnen und Kollegen elektronisch und anonym im KAV und in Wiener Privatspitälern befragt. Spitalsärzte im AKH wurden im Vorfeld separat befragt. Die Beteiligungsquote betrug 33 Prozent, das entspricht 1481 Ärztinnen und Ärzte. Davon entfielen allein 78 Prozent auf den KAV, das sind fast 40 Prozent aller dort befragten Mitarbeiter.


„Die Stichprobe ist repräsentativ und besitzt mit der aufgezeigten Rücklaufquote eine hohe Validität", kommentiert Hermann Wasserbacher, der für die Umfrage zuständige Geschäftsführer bei IFES, der auch betont: „Umfragen dieser Art, die eine Teilnahmequote von mehr als 30 Prozent aufweisen, sind höchst aussagekräftig."


Engagement der Ärztekammer bestätigt

Und hier die Ergebnisse: Im Rahmen der KA-AZG-Thematik wurden die Arbeit und der Einsatz der Ärztekammer als Interessen- und Standesvertretung der Ärzteschaft von den Kolleginnen und Kollegen in den Spitälern positiv bewertet. So fühlen sich 72 Prozent durch die Ärztekammer in puncto Arbeitszeitthemen ausreichend informiert.


Zwei Drittel (66 Prozent) der Ärztinnen und Ärzte empfinden sogar, dass sich ihre Situation seit den Demonstrationen im Herbst 2016 hinsichtlich Arbeitszeit verbessert hat. Diese Verbesserung spüren vermehrt jüngere Kolleginnen und Kollegen.


Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, sieht sich damit in der Arbeit der Ärztekammer bestätigt: „Wir freuen uns, dass uns die Kolleginnen und Kollegen ein derart gutes Zeugnis ausstellen." Die Ärztekammer habe stets die Interessen ihrer Mitglieder mit vollem Einsatz verteidigt, und „das wird auch in Zukunft so bleiben", versichert Weismüller.

 

Probleme im Nachtdienst im KAV weiterhin aktuell

Etwa neun von zehn Ärztinnen und Ärzten im KAV (86 Prozent) gaben an, Nachtdienste zu leisten. In anderen Krankenanstalten gaben nur drei von vier (74 Prozent) an, Nachtdienste zu leisten. Brisant wird es, wenn danach gefragt wird, ob man diese Nachtdienste auch rechtzeitig verlassen kann. Nur etwa 40 Prozent der Ärzteschaft können die Nachtdienste immer zeitgerecht verlassen.


Das Ergebnis unterscheidet sich kaum nach Alter, Geschlecht und Arbeitgeber – es betrifft also KAV und andere Spitäler gleichermaßen. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der KAV-Ärzte muss mindestens einmal pro Monat oder öfter nach den Nachtdiensten im Krankenhaus bleiben. Großteils fällt bis zu einer Stunde mehr Zeitaufwand an. Die drei Hauptgründe (Mehrfachnennungen möglich) sind Dienstübergaben (38 Prozent), administrative Tätigkeiten (28 Prozent) und die Patientenversorgung (26 Prozent).


„Unsere Kollegenschaft hat hier ein erschreckendes Bild an den Tag gelegt", kommentiert Weismüller und erklärt: „Wenn die Kolleginnen und Kollegen durch unnötige Bürokratie von ihrem Arbeitgeber länger als erlaubt zwangsbeschäftigt werden, dann ist das schlicht und einfach illegal."


Auch sei das ein Beweis für die massive Arbeitsverdichtung bei mangelndem Personal mit steigendem Patientenaufkommen. „Es ist daher nicht verwunderlich, wenn bei einem größerem Andrang Spitalsambulanzen vollkommen überfüllt sind", so Weismüller.

(Fortsetzung)

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