Praxisvertretung

Vertretung in einer Kassenordination

Die Vertretung in einer Kassenordination ist durch die Verträge mit den Sozialversicherungsträgern geregelt. Diese sehen vor, dass ein Facharzt mit Kassenverträgen (egal zu welcher Krankenkasse) nur durch einen Facharzt des entsprechenden Sonderfaches vertreten werden kann. Eine Vertretung durch einen Arzt für Allgemeinmedizin bzw. einen Arzt in Facharztausbildung - auch nicht im letzten Jahr der Facharztausbildung - ist nicht zulässig. Ein Arzt für Allgemeinmedizin darf ebenfalls nur durch einen anderen Arzt für Allgemeinmedizin vertreten werden. Sogenannte approbierte Ärzte sind nicht zur Vertretung berechtigt.

Die Rechtsbeziehung zwischen dem Kassenarzt und seinem Vertreter ist ein zivilrechtlicher Vertrag, dessen Inhalte frei vereinbart werden können (seitens der Ärztekammer für Wien wurde ein Mustervertrag entwickelt – siehe im Downloadbereich). Ebenso nicht vorgegeben sind Regelungen über die Bezahlung des Vertreters. Hier haben sich in der Praxis - teilweise fachgruppenspezifisch- bestimmte Modalitäten entwickelt (Pauschalhonorare – siehe im Downloadbereich, Umsatzbeteiligungen, etc.), die manchmal auch individuell vermischt werden. Die bestehende Judikatur zur ärztlichen Vertretungstätigkeit tendiert allerdings dazu, fixe Pauschalbeträge als Indiz für ein Angestelltenverhältnis zu sehen. Aus diesem Grund wird die Vereinbarung eines umsatzabhängigen Honorars empfohlen, da ein solches für das Vorliegen einer selbständigen Tätigkeit – idR. im Rahmen eines freien Dienstvertrages – spricht.  

Ein in Zusammenarbeit mit einer Anwaltskanzlei ausgearbeiteter Kriterienkatalog (siehe im Downloadbereich) soll Ihnen eine Hilfestellung bei der Ausgestaltung des Vertragsverhältnisses bieten. 

 

Vertretungsregelungen in den Verträgen mit den Sozialversicherungen

Prinzipiell ist bei allen Krankenkassen vorgesehen, dass der Vertragsarzt im Falle einer persönlichen Verhinderung für eine Vertretung unter Einhaltung der vertraglichen Bestimmungen Sorge zu tragen hat. Die Fälle der persönlichen Verhinderung sind im Vertrag nicht eingeschränkt; es kann sich dabei um Krankheit, familiäre Gründe, etc. handeln.
 

Wird in einer Praxis mit Verträgen zur Wiener Gebietskrankenkasse der Vertragsarzt in der Ordination vertreten, so ist in den Verträgen vorgesehen, dass bis zu sechs Wochen die Vertretung (auch regelmäßig tageweise) ohne Genehmigung oder Information der Krankenkasse durchgeführt werden kann. Wenn die Vertretung zwischen sechs Wochen und sechs Monaten andauert, sind der Name des vertretenden Arztes und die voraussichtliche Dauer der Vertretung der Ärztekammer zu melden. Erst wenn die Vertretung länger als sechs Monate dauert, muss auch eine Meldung an die Kasse erfolgen. Ab einer Vertretung von sechs Wochen haben Kammer und Kasse in begründeten Fällen das Recht, gegen die Person des Vertreters oder gegen die Vertretung als solche Einspruch zu erheben. Das bedeutet, dass die Kasse aber auch die Kammer im Detail Gründe darzulegen haben, warum die Vertretung nicht durchgeführt werden darf.

Die vorhin dargestellten Vertretungsregelungen gelten auch für die kleinen Kassen und für die Fachärzte für Radiologie, med. chem. Labordiagnostik, Pathologie und Physikalische Medizin.

Für alle Ärzte, die Verträge zur Wiener Gebietskrankenkasse haben, wurden zudem mit der WGKK in Hinblick auf häufige Abwesenheitsgründe (Krankheit, Urlaub, Schwangerschaft und Fortbildung) noch Sonderregelungen für eine erleichterte kollegiale Vertretung vereinbart. Dies bedeutet aber nicht, dass man nicht auch in solchen Fällen, die dargestellten allgemeinen Regelungen anwenden kann.

 

A) Krankenstandsregelung (WGKK)

Erkrankt ein Vertragsarzt, so entfällt bis zum 49. Tag der Erkrankung pro Kalenderhalbjahr die Pflicht zur Bestellung eines Vertreters. Zur Vertretung sind automatisch alle Vertragsärzte dieser Fachsparte verpflichtet. Erst nach dem 49. Tag der Erkrankung pro Kalenderhalbjahr ist verpflichtend ein Vertreter in der Ordination zu beschäftigen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass man ein Ansuchen an die Gebietskrankenkasse stellt, dass auf die Bestellung eines Vertreters verzichtet wird. 


Um an dieser Krankenstandsregelung teilzunehmen ist Folgendes zu unternehmen:

  • umgehende Meldung der Erkrankung an die Ärztekammer für Wien (Sektion Ärzte für Allgemeinmedizin bzw. Sektion für Fachärzte) sowie an die Concisa AG, 50 172/0, bei der der Vertragsarzt einen Antrag auf Auszahlung von Krankengeld einbringen kann
  • ebenso zu melden ist die Wiederaufnahme der Tätigkeit
  • Aushang eines Plakates über die Erkrankung am Ordinationsschild

 

B) Schwangerschaft (WGKK)

Prinzipiell gelten dieselben Regelungen wie beim Krankenstand. Die Frist, in der jedoch kein Vertreter nominiert werden muss, beträgt 8 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt (bei Frühgeburten, Mehrlingsgeburten oder Kaiserschnittentbindungen 12 Wochen nach der Geburt). Durch die Meldung bzw. Antragstellung beim Wohlfahrtsfonds erhält die betroffene Kollegin eine Zuwendung aus dem Titel der Krankenunterstützung.
 

C) Urlaub (WGKK)

Vertragsärzte, die sich an der Urlaubsregelung beteiligen, sind nicht verpflichtet, für die Dauer des Urlaubes für eine Vertretung Sorge zu tragen. Die Vertretung erfolgt wie beim Krankenstand durch alle anderen Ärzte dieser Fachrichtung.


Das Höchstausmaß des Urlaubes, das ein Vertragsarzt im Rahmen der Urlaubsregelung konsumieren kann, beträgt sechs Kalenderwochen (= 42 Kalendertage) pro Kalenderjahr. Resturlaube werden in das nächste Jahr übertragen. Die Meldung des Urlaubes erfolgt an das Patientenservice der Ärztekammer für Wien (Tel.: 01/790 11 61, Fax: 10/790 11 10 oder über die E-Mail-Adresse patientenservice@141wien.at). Die Meldung des Urlaubes hat im Vorhinein für das 1. Quartal bis 15 Dezember des Vorjahres, für das 2. Quartal bis 15. März, für das 3. Quartal bis 15 Juni und für das 4. Quartal bis 15. September zu erfolgen. Die entsprechenden Urlaube werden dann von der Ärztekammer an die Gebietskrankenkasse weitergeleitet. 
Auch hier ist ein entsprechender Anschlag an der Ordination anzubringen. Nimmt ein Vertragsarzt bei der GKK nicht an der Urlaubsregelung teil, so hat er für eine Vertretung in der Ordination zu sorgen. Er muss jedoch abweichend von den allgemeinen Regelungen den Namen des Vertreters und die Dauer des Urlaubes der GKK bekanntgeben. 

 

D) Fortbildung (WGKK)

Zusätzlich zur Urlaubsregelung besteht noch die Möglichkeit im Ausmaß von zwei Kalenderwochen nach den Regelungen der Urlaubsregelung einen Fortbildungsurlaub zu konsumieren.

 

E) Legalisierte, regelmäßige Dauervertretung (WGKK)

Mit der Wiener Gebietskrankenkasse wurde im Jahr 2002 vereinbart, dass sich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte regelmäßig an bestimmten Tagen der Woche vertreten lassen können. Für eine derartige Vertretung sind die Gründe und der Namen des vertretenden Arztes/Ärztin anzugeben. In der Praxis genehmigt die Kasse maximal zwei Tage pro Woche und das auch nur fürs erste befristet, um sich die Entwicklung der Praxis anzusehen.