Praxisvertretung

Vertretung in einer Kassenordination

Die Vertretung in einer Kassenordination ist durch die Verträge mit den Sozialversicherungsträgern geregelt. Diese sehen vor, dass ein Facharzt mit Kassenverträgen (egal zu welcher Krankenkasse) nur durch einen Facharzt des entsprechenden Sonderfaches vertreten werden kann. Eine Vertretung durch einen prakt. Arzt bzw. ein Arzt in Fachausbildung - auch nicht im letzten Jahr der Fachausbildung - ist nicht zulässig. Ein Arzt für Allgemeinmedizin darf ebenfalls nur durch anderen Arzt für Allgemeinmedizin vertreten werden; sog. approbierte Ärzte sind nicht zur Vertretung berechtigt.

Die Rechtsbeziehung zwischen dem Kassenarzt und seinem Vertreter ist ein zivilrechtlicher Vertrag, dessen Inhalte frei vereinbart werden können (seitens der Ärztekammer für Wien wurde aber ein Mustervertrag entwickelt). Ebenso nicht vorgegeben sind Regelungen über die Bezahlung des Vertreters. Hier haben sich in der Praxis - teilweise fachgruppenspezifisch- bestimmte Modalitäten entwickelt (Pauschalhonorare, Umsatzbeteiligungen, etc.), die manchmal auch individuell vermischt werden. Aus diesem Grund hat es die Ärztekammer bis dato unterlassen, entsprechende Empfehlungen herauszugeben. In diesem Zusammenhang gilt es auch festzuhalten, dass der Vertreter, da eine ärztliche Tätigkeit ausgeübt wird, nicht unter die Regelungen der Sozialversicherungspflicht für Werkverträge fällt.

Nach Befragung der einzelnen Fachgruppen Mitte 2006 durch die Kurie Niedergelassene Ärzte hat sich im Durchschnitt ein Empfehlungs-Richtwert für Vertretungen im niedergelassenen Bereich von € 60 bis 70 pro Stunde ergeben.

Die detaillierten Vertretungshonorar-Empfehlungen der Allgemeinmediziner und einzelnen Fachgruppen, die in Zusammenarbeit mit den Sektionen Fachärzte, Allgemeinmedizin und der zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärzte ausgearbeitet wurde, finden Sie im Downloadbereich dieser Seite.
 

Vertretungsregelungen in den Verträgen mit den Sozialversicherungen

Prinzipiell ist bei allen Krankenkassen vorgesehen, dass der Vertragsarzt im Falle einer persönlichen Verhinderung für eine Vertretung unter Einhaltung der vertraglichen Bestimmungen Sorge zu tragen hat. Die Fälle der persönlichen Verhinderung sind im Vertrag nicht eingeschränkt; es kann sich dabei um Krankheit, familiäre Gründe, etc. handeln.
Von der Bestellung eines Vertreters in der Ordination kann nur dann Abstand genommen werden, wenn die Krankenkassen dem zustimmen. Sollte also im Falle der Verhinderung der Ordinationstätigkeit kein Vertreter gefunden werden, so müßte ein entsprechendes Ansuchen in der jeweiligen Sektion eingebracht werden. Die Sektion leitet dieses dann an die jeweiligen Krankenkassen weiter - im Falle einer kurzfristigen Verhinderung der Ordinationstätigkeit empfiehlt sich zusätzlich auch eine telephonische Bekanntgabe an die jeweilige Krankenkasse. Allgemein ist festzuhalten, dass die Kassen allgemein, im besonderen aber die kleinen Kassen in Wien bei solchen Ansuchen sehr großzügig sind und diese im Regelfall genehmigen.

Wird in einer Praxis mit Verträgen zur Wiener Gebietskrankenkasse der Vertragsarzt in der Ordination vertreten, so ist in den Verträgen vorgesehen, dass bis zu sechs Wochen die Vertretung (auch regelmäßig tageweise) ohne Genehmigung oder Information der Krankenkasse durchgeführt werden kann. Erst wenn die Vertretung zwischen sechs Wochen und sechs Monaten andauert, sind der Name des vertretenden Arztes und die voraussichtliche Dauer der Vertretung der Ärztekammer zu melden. Diese Meldung wird von der Ärztekammer in eine Datenbank eingeben, die dann auch für Kasse einsehbar ist. Erst wenn die Vertretung länger als sechs Monate dauert, muß auch eine Meldung an die Kasse erfolgen. Ab einer Vertretung von sechs Wochen haben Kammer und Kasse in begründeten Fällen das Recht gegen die Person des Vertreters oder gegen die Vertretung als solche Einspruch zu erheben. Das bedeutet, dass die Kasse aber auch die Kammer im Detail Gründe darzulegen haben, warum die Vertretung nicht durchgeführt werden darf.

Die vorhin dargestellten Vertretungsregelungen gelten auch für die kleinen Kassen und für die Fachärzte für Radiologie, med. chem. Labordiagnostik, Pathologie und Physikalische Medizin.

Für alle Ärzte, die Verträge zur Wiener Gebietskrankenkasse haben, wurden zudem mit der WGKK in Hinblick auf häufige Abwesenheitsgründe(Krankheit, Urlaub, Schwangerschaft und Fortbildung) noch Sonderregelungen für eine erleichterte kollegiale Vertretung vereinbart. Dies bedeutet aber nicht, dass man nicht auch in solchen Fällen, die dargestellten allgemeinen Regelungen anwenden kann.
 

A) Krankenstandsregelung (WGKK)

Erkrankt ein Vertragsarzt so entfällt bis zum 49. Tag der Erkrankung pro Kalenderhalbjahr die Pflicht zur Bestellung eines Vertreters. Zur Vertretung sind automatisch alle Vertragsärzte dieser Fachsparte verpflichtet. Erst nach dem 49. Tag der Erkrankung pro Kalenderhalbjahr ist verpflichtend ein Vertreter in der Ordination zu beschäftigen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass man ein Ansuchen an die Gebietskrankenkasse stellt, dass auf die Bestellung eines Vertreters verzichtet wird. 
Um an dieser Krankenstandsregelung teilzunehmen ist folgendes zu unternehmen:
umgehende Meldung der Erkrankung an die Ärztekammer für Wien, Wohlfahrtsfonds, Fa. Concisa, 50 172/0 (damit erhält der Vertragsarzt auch das Krankengeld vom Wohlfahrtsfonds); ebenso zu melden ist die Wiederaufnahme der Tätigkeit.
Aushang eines Plakates über die Erkrankung
 

B) Schwangerschaft (WGKK)

Prinzipiell gelten die Regelungen wie beim Krankenstand. Die Frist in der jedoch kein Vertreter nominiert werden muß beträgt 8 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt (bei Mehrlingsgeburten oder Kaiserschnittentbindungen 12 Wochen nach der Geburt). Durch die Meldung beim Wohlfahrtsfonds erhält die betroffene Kollegin eine Geburtenprämie. 
 

C) Urlaub (WGKK)

Vertragsärzte, die sich an der Urlaubsregelung beteiligen, sind nicht verpflichtet, für die Dauer des Urlaubes für eine Vertretung Sorge zu tragen. Die Vertretung erfolgt wie beim Krankenstand durch alle anderen Ärzte dieser Sparte.
Das Höchstausmaß des Urlaubes, das ein Vertragsarzt im Rahmen der Urlaubsregelung konsumieren kann, beträgt sechs Kalenderwochen ( =42 Kalendertage) pro Kalenderjahr. Resturlaube werden in das nächste Jahr übertragen. Die Meldung des Urlaubes erfolgt an das Patientenservice der Ärztekammer für Wien (Tel.: 01/790 11 61, Fax: 10/790 11 10 oder über die E-Mail-Adresse patientenservice@141wien.at ). Die Meldung des Urlaubes hat im vorhinein für das 1. Quartal bis 15 Dezember des Vorjahres, für das 2. Quartal bis 15. März, für das 3. Quartal bis 15 Juni und für das 4. Quartal bis 15. September zu erfolgen. Die entsprechenden Urlaube werden dann von der Ärztekammer der Gebietskrankenkasse weitergeleitet. 
Auch hier ist ein entsprechender Anschlag an der Ordination anzubringen. Nimmt ein Vertragsarzt bei der GKK nicht an der Urlaubsregelung teil, so hat er für eine Vertretung in der Ordination zu sorgen. Er muß jedoch abweichend von den allgemeinen Regelungen den Namen des Vertreters und die Dauer des Urlaubes der GKK bekanntgeben. 
 

D) Fortbildung (WGKK)

Zusätzlich zur Urlaubsregelung besteht noch die Möglichkeit im Ausmaß von zwei Kalenderwochen nach den Regelungen der Urlaubsregelung einen Fortbildungsurlaub zu konsumieren.
Legalisierte, regelmäßige Dauervertretung

Mit der Wiener Gebietskrankenkasse wurde im Jahr 2002 vereinbart, dass sich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte regelmäßig an bestimmten Tagen der Woche vertreten lassen können. Für eine derartige Vertretung sind die Gründe und der Namen des vertretenden Arztes/Ärztin anzugeben. In der Praxis genehmigt die Kasse maximal zwei Tage pro Woche und das auch nur für's erste befristet, um sich die Entwicklung der Praxis anzusehen.