Spitalsärzte-Umfrage 2: „Mitarbeiter werden in Illegalität gedrängt"

Überstunden tagsüber nehmen zu – Keine Arbeitszeitaufzeichnungen vorhanden – Ärztekammer fordert mehr Personal und weniger Administration 

 

Dramatisch ist die Situation in den Spitälern tagsüber: Nur jeder neunte Arzt kann nach geleistetem Tagdienst die Arbeit immer zeitgerecht verlassen, der Großteil muss länger bleiben (89 Prozent im KAV, 88 Prozent in anderen Krankenanstalten). Jüngere Ärztinnen und Ärzte bleiben tendenziell länger in der Arbeit als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen. „Das liegt daran, dass man sich auch noch Zeit für die Ausbildung nehmen muss", ergänzt Weismüller.


Mehr als ein Viertel der Spitalsärzte im KAV (27 Prozent) muss mehrmals pro Woche bis zu einer Stunde, maximal zwei Stunden länger im Dienst bleiben. Hauptgründe (Mehrfachnennungen möglich) für den zusätzlichen Zeitaufwand sind dort die Patientenversorgung (79 Prozent), administrative Tätigkeiten (54 Prozent) Dienstübergaben (20 Prozent) sowie die Fortbildung (14 Prozent).


„Tagsüber sehen wir vor allem das Problem der überlasteten Spitalsambulanzen und das hohe Patientenaufkommen", resümiert Weismüller die alarmierenden Zahlen und stellt fest: „Wir sind einfach zu wenige, um unsere Arbeit ohne Überstunden erledigen zu können." Die Situation werde daher sowohl für die Kollegenschaft als auch für die Patienten jeden Tag dramatischer und auch in der Nacht – „arbeitsrechtlich – illegaler".


Keine Aufzeichnung der Arbeitszeit

Teilweise illegal ist auch der Zustand bei der Aufzeichnung der Arbeitszeiten – vor allem im KAV. Fast die Hälfte (47 Prozent) der Spitalsärzte im KAV, bei denen Überstunden anfallen, führt diese nicht korrekt in der Arbeitsaufzeichnung an. In anderen Krankenanstalten zeichnen dagegen acht von zehn Ärztinnen und Ärzte, die Überstunden leisten, ihren Aufwand auf. Weismüller: „Der Wert in den Privatspitälern ist besser, aber auch nicht ideal."

Besorgniserregend für die fehlende Zeiterfassung sind die Gründe, die Spitalsärzte vor allem im KAV dafür angeben: Für 26 Prozent ist nicht klar geregelt, ob sie für bestimmte Arbeiten Überstunden aufschreiben dürfen. 16 Prozent gaben an, dass ihr Vorgesetzter von ihnen erwartet, keine Überstunden aufzuzeichnen, und 3 Prozent gaben sogar an, dass ihr Vorgesetzter die Aufzeichnung von Überstunden verbietet.

„Das Ergebnis ist für mich schockierend. Dieses offenbar absichtliche Drängen von Kolleginnen und Kollegen in die Illegalität ist untragbar," sagt Weismüller und fordert ganz klar den KAV auf, „mit diesen arbeitsrechtlichen Missständen endlich aufzuräumen". KAV–Ärzte arbeiten derzeit im Durchschnitt sogar 46 Stunden statt der gesetzlich erlaubten 40.  Damit ergebe sich laut den Ergebnissen der Umfrage eine Lücke von 120 Ärztinnen und Ärzten (Vollzeitäquivalenten), die fehlten.

Weismüller sieht hier als einzige rasche und nachhaltige Lösung die Einstellung von zusätzlichem ärztlichen Personal. „Dann ist auch mit den unbezahlten beziehungsweise sogenannten ‚schwarzen‘ Überstunden endlich Schluss". Dieser Ärztemangel werde mit den zu erwartenden steigenden Patientenzahlen ansonsten nur noch größer.

 

Anforderungen an die Spitalsversorgung in Wien

Aus den Ergebnissen der Umfrage resultierend hat die Wiener Ärztekammer ein Forderungspaket an die Politik und Spitalsträger, insbesondere den KAV, erstellt.

Die Forderungen der Ärztekammer im Überblick:

  • Das Ergebnis der Umfrage zeigt eklatante Lücken in der Personalausstattung der Spitalsträger, insbesondere im KAV. Die Ärztekammer fordert daher die rasche Aufstockung des ärztlichen Personals – Wiens Spitäler brauchen deutlich mehr Ärztinnen und Ärzte!
  • Organisationskultur und Mitarbeiterführung in den Spitälern zeigen nach wie vor große Schwächen auf. Bereits zugesagte Reformen werden zu langsam umgesetzt – Der administrative Aufwand für Ärztinnen und Ärzte muss geringer werden!
  • Die Zentralen Notaufnahmen im KAV sind nach wie vor nicht implementiert. Die Ärztekammer fordert ehestmöglich die Umsetzung der Zentralen Notaufnahmen, die eine essenzielle Voraussetzung darstellen, um eine rasche und qualitätsgerechte Erstversorgung der Patienten zu gewährleisten – Die Patienten brauchen die Zentralen Notaufnahmen sofort!

 

„Unsere Kolleginnen und Kollegen haben uns in dieser Umfrage einen deutlichen Auftrag gegeben", resümiert Weismüller. „Die Ärztekammer nimmt dieses Ergebnis natürlich sehr ernst und sieht sich abermals gezwungen, unmissverständliche Forderungen an die Politik und die Spitalsträger zu stellen. Wir fordern diese auf, unsere Forderungen so rasch wie möglich umzusetzen."

 

Die Fotos der Pressekonferenz finden Sie hier