Reform 2014

Beitragssenkung | Gestaffelte Beitragssätze | Änderung der Beitragsbestandteile von Zusatzleistungen und Kapitaldeckungsverfahren | Auslaufen der Berufsanfängerermäßigung | Berechnungsbeispiele Fondsbeitrag
 

In der Erweiterten Vollversammlung der Ärztekammer für Wien am 17. Juni 2014 wurde eine Reform des Wohlfahrtsfonds beschlossen.

Um diese Reform zustande zu bringen, hat ein Expertenteam bestehend aus Mitgliedern des Verwaltungsausschusses sowie unabhängigen Versicherungsmathematikern mehr als zwei Jahre lang gearbeitet und auch auf Grundlage verfassungsrechtlicher Gutachten unterschiedliche Varianten geprüft. 

Die im Jahr 2014 beschlossene Reform, die mit Ausnahme der Berufsanfänger für alle Beitragszahler ab dem Beitragsjahr 2015 und somit ab Frühjahr 2016 wirksam wird, umfasst vier konkrete Änderungen:

  • eine Beitragssenkung für einen Großteil der Mitglieder;
  • die Einführung einer Staffelung der Beitragssätze;
  • eine Änderung der Beitragsbestandteile von Zusatzleistungen und Kapitaldeckungsverfahren;
  • sowie das Auslaufen der Berufsanfängerermäßigung im Jahr 2019.
     

Beitragssenkung

Durch gutes Wirtschaften konnte der Wohlfahrtsfonds nachhaltig von Altlasten saniert werden. Daher war es 2014 möglich, eine allgemeine Beitragssenkung durchzuführen. Zudem werden durch ein neues, gestaffeltes Beitragssystem sehr viele Mitglieder in den Genuss geringerer Beitragssätze kommen. 

Aber auch jene Mitglieder mit Einkommen, welche in die höchste Beitragsstufe fallen, werden ab Inkrafttreten der Reform nur mehr 14 statt bisher 14,2 Prozent der Bemessungsgrundlage in den Wohlfahrtsfonds einzahlen müssen. 

Ausgenommen von der Beitragssenkung im Rahmen der Wohlfahrtsfonds-Reform sind nur die sogenannten grundleistungsbefreiten Fondsmitglieder, also jene Mitglieder, die aufgrund ihrer Pragmatisierung bei der Beitragsbemessung mit einem fixen Beitrag limitiert sind. Dieser Beitrag erhöht sich naturgemäß regelmäßig entsprechend der steigenden Lebenserwartung.
 

Gestaffelte Beitragssätze

Die bedeutendste Änderung, die die Reform mit sich bringt, ist die Einführung der Staffelung der Beitragssätze ab der Fondsbeitragsabrechnung 2015. 

Bisher zahlten alle Mitglieder, die nicht von den Beitragszahlungen befreit waren und keinen Anspruch auf eine Berufsanfängerermäßigung hatten, einen einheitlichen Beitragssatz von 14,2 Prozent in den Wohlfahrtsfonds ein. Die Reform brachte nun eine Staffelung der Beitragssätze nach der Einkommenshöhe mit sich. So gibt es seit der Fondsbeitragsabrechnung 2015 acht unterschiedliche Einkommensstufen. 

Alle Mitglieder, deren jährliche Bemessungsgrundlage unter 30.000 Euro liegt (dies entspricht in etwa einem Jahresbruttogehalt von 40.000 Euro), zahlen weniger als 14 Prozent. In der untersten Einkommensstufe, die bis zu einer Bemessungsgrundlage von 6.000 Euro reicht, müssen im neuen System für das betreffende Jahr gar keine Beiträge mehr bezahlt werden. Ausgenommen davon bleiben nur die Beiträge für die Krankenunterstützung in Höhe von 40 Euro jährlich. In diesen beitragsfreien Zeiten werden dann zwar keine Pensionsanwartschaften erreicht, die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit bleibt allerdings bestehen. Dies betrifft im Moment rund 10 Prozent aller Mitglieder. 

Erhalten bleibt in jedem Fall aber immer auch die Möglichkeit des Nachkaufs von Anwartschaftspunkten für all jene Mitglieder, die trotz des geringen Beitrags dennoch zusätzlich Pensionsanwartschaften steuerfrei erwerben möchten. 

Die neuen Beitragssätze ab 1.1.2015 betragen nunmehr: 
 

Einkommenswert ≤ € 6.000,00    0% der BMG
Einkommenswert € 6.001,00 - € 10.000,00    2% der BMG
Einkommenswert € 10.001,00 - € 14.000,00    4% der BMG
Einkommenswert € 14.001,00 - € 18.000,00    6% der BMG
Einkommenswert € 18.001,00 - € 22.000,00    8% der BMG
Einkommenswert € 22.001,00 - € 26.000,00 10% der BMG
Einkommenswert € 26.001,00 - € 30.000,00 12% der BMG
Einkommenswert  ≥ € 30.001,00 14% der BMG

 
Änderung der Beitragsbestandteile von Zusatzleistungen und Kapitaldeckungsverfahren

Seit 2002 gibt es zusätzlich zum Anwartschaftspunktesystem auch das Kapitaldeckungsverfahren als eine das Umlageverfahren ergänzende Vorsorgeform. 

Der Vorteil des Kapitaldeckungsverfahrens für die Mitglieder ist, dass ihre Beiträge gemäß dem Veranlagungsergebnis verzinst werden. Die Wohlfahrtsfondsreform 2014 bewirkte, dass ein größerer Anteil der Beiträge in dieses Kapitaldeckungsverfahren eingezahlt wird und weniger Geld in das nicht verzinste Zusatzleistungskonto fließt. Seither können Ärztinnen und Ärzte noch mehr von einer guten Verzinsung profitieren.
 

Auslaufen der Berufsanfängerermäßigung

Die Reform des Wohlfahrtsfonds 2014 bedeutet aber auch eine Änderung für alle Turnusärzte. Die derzeit bestehende Berufsanfängerermäßigung wird abgeschafft. Jedoch tritt dies erst nach einer Übergangsfrist im Jahr 2020 in Kraft und beträgt für alle Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung für die ersten drei Jahre der Tätigkeit der Fondsbeitrag weiterhin pauschal 65 Euro pro Monat. Nach Ende der Übergangsfrist werden dann alle Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung in das neue Stufenmodell überführt. Alleiniges Maß werden dann nur mehr die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie der soziale Status sein.
 

Berechnungsbeispiele Fondsbeitrag 
 

Bemessungsgrundlage EUR 6.001,00 - EUR 10.000,00 Beitragssatz 2 %
selbstständig  
Gewinn 9.800,00
BMG für %-Satz 9.800,00
Beitragszahlungen WFF von vor 3 Jahren 9.406,40
Bemessungsgrundlage Fondsbeitrag 19.206,40
Fondsbeitrag Beitragsjahr 2015 (Reform) 384,13
theoretischer Fondsbeitrag Beitragsjahr 2014 (alt) 1.939,85

 

Bemessungsgrundlage EUR 18.001,00 - EUR 22.000,00 Beitragssatz 8%
angestellt  
Jahresbruttogehalt 24.449,92
anteilige Werbungskosten 7.601,71
BMG für %-Satz 18.848,21
Beitragszahlungen WFF von vor 3 Jahren 2.515,86
Bemessungsgrundlage Fondsbeitrag 21.364,07
Fondsbeitrag Beitragsjahr 2015 (Reform) 1.709,13
theoretischer Fondsbeitrag Beitragsjahr 2014 (alt) 3.033,70

 

Bemessungsgrundlage über EUR 30.000,01 Beitragssatz 14%
selbstständig & angestellt  
Jahresbruttogrundgehalt 23.970,00
anteilige Werbungskosten 2.420,97
Gewinn 100.933,38
BMG für %-Satz 122.482,41
Beitragszahlungen WFF von vor 3 Jahren 27.473,05
Bemessungsgrundlage Fondsbeitrag 149.955,46
Fondsbeitrag Beitragsjahr 2015 (Reform) 20.993,76
theoretischer Fondsbeitrag Beitragsjahr 2014 (alt) 21.293,68

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 Christoph Ruprecht, MBA

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