Ärztekammer äußert sich kritisch zu Pflegeversicherung

Forderung nach mehr Investitionen in die medizinische Versorgung

Das heute von der ÖVP vorgelegte Pflegekonzept wird seitens der Ärztekammer kritisch betrachtet. „Wie auch die Industriellenvereinigung und andere Sozialpartner sehe ich die Pläne des Altkanzlers für eine eigene Pflegeversicherung sehr kritisch. Österreich braucht nicht zwingend eine neue Versicherung neben den vier bestehenden – Kranken-, Pensions-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung –, sondern eine bessere Verteilung der schon bestehenden Mittel sowie Investitionen in Prävention, medizinische Versorgung und eben den Pflegebereich", betont Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Im Gesundheitssystem gehe es, wie in vielen anderen Bereichen auch, unter anderem um einen Bürokratieabbau. Ebenso sollte der Kompetenzdschungel der Zuständigkeiten im Pflegebereich zwischen Bund und Ländern endlich gelichtet werden.

Grundsätzlich sei der Gedanke, die Pflege von pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause zu forcieren, gut. Einerseits sei eine vertraute Umgebung im Interesse des zu Pflegenden, andererseits sei die Pflege zu Hause auch meist billiger als in Pflegeheimen. „Dafür aber muss die Pflege zu Hause verstärkt finanziell unterstützt werden, da es sich viele Menschen sonst nicht leisten können", so Szekeres.

Die Idee einer Pflegeversicherung ohne Mehrbelastung und ohne eine Erhöhung der Steuer- und Abgabenquote – weil durch Einsparungen und Steuersenkungen auf anderen Ebenen finanziert – klinge zwar verlockend, berge aber die Gefahr von bürokratischem Mehraufwand mit sich, wo am Ende des Tages bestenfalls „ein Nullsummenspiel, wahrscheinlich aber doch höhere Kosten", stünden.

Szekeres sieht auch die Gefahr von Einsparungen im Gesundheitssystem, sollte eine Pflegeversicherung ohne zusätzliche Budgets realisiert werden. Von einer zukünftigen Bundesregierung erwartet er im Gegenzug sogar mehr Mittel für die Gesundheitsversorgung in Österreich: „Die Bevölkerung wächst, die Menschen werden immer älter und damit auch pflegebedürftiger, es gibt weniger Ärztinnen und Ärzte, vor allem im niedergelassenen Kassenbereich, und der medizinische Nachwuchs fehlt – nur ungefähr 60 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums in Österreich bleiben bei uns im Land, 40 Prozent gehen ins Ausland."

Viele Medizinabsolventen zieht es vor allem nach Deutschland oder in die Schweiz. Hier weist Szekeres darauf hin, dass dies exakt jene zwei Nachbarländer sind, mit denen sich die österreichische Politik so gerne vergleiche. Allerdings: „Sowohl Deutschland als auch die Schweiz geben für die Gesundheitsversorgung ihrer Bevölkerung weit mehr aus als es hierzulande getan wird", kritisiert Szekeres.

Daher müsse die versprochene „Gesundheitsmilliarde" endlich kommen, damit das „solidarische Gesundheitssystem unseres Landes, einschließlich der Pflegebetreuung, auch in Zukunft zu den besten der Welt gehört", so Szekeres abschließend. (bs)