Ärztekammer startet Informationskampagne „Gesundheit in Lebensgefahr"

Forderung an Stadt Wien und Sozialversicherung nach Investitionen in Gesundheit – Szekeres/Steinhart/Weismüller: „Ärzteschaft warnt eindringlich vor Patientengefährdungen" 
 

Am 28. Oktober 2019 startete die erste Welle der Aufklärungskampagne „Gesundheit in Lebensgefahr" der Ärztekammer für Wien, in der die Mängel im Wiener Gesundheitssystem sowie die Belastung der Wiener Ärztinnen und Ärzte und damit auch der Patientinnen und Patienten aufgezeigt werden. Ziel der kurienübergreifenden Kampagne aller Ärztinnen und Ärzte Wiens ist, dass die Stadt Wien sowie die Sozialversicherung längst fällige Investitionen in das Gesundheitswesen tätigen und somit eine qualitativ ausreichende breite Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. 

„Wir starten die Kampagne, um aufzuzeigen, was in Wien derzeit alles falsch läuft – und was dringend benötigt wird", verkündet Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres: „Wir werden die Kehrseite der Medaille zeigen, nämlich unter welch schwierigen Bedingungen sowohl die Wiener Ärztinnen und Ärzte als auch die Patientinnen und Patienten tagtäglich zu kämpfen haben."

Die markanten Sujets mit der weißen Trauernelke auf schwarzem Hintergrund sollen mit klassischen Printplakaten, digitalen City Lights, Inseraten in allen großen Tageszeitungen sowie via Social Campaigning in Social Media verbreitet werden und entsprechende Aufmerksamkeit generieren, bevor mit Mitte Jänner weitere „noch eindringlichere" Sujets folgen werden.


Mehr Menschen, weniger Ärzte

Hintergrund der Kampagne ist, neben den Problemen aus Arzt- und Patientensicht auch auf die derzeit nicht existente Gesundheitspolitik aufmerksam zu machen und darauf hinzuweisen, welche Gefahren für das Wiener Gesundheitssystem als Ganzes in Zukunft drohen, wenn man nicht rechtzeitig gegenlenkt", betont Johannes Steinhart, Vizepräsident und Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien.

„Die Wiener Bevölkerung ist in den letzten zehn Jahren um ungefähr 200.000 Menschen gewachsen. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte hat aber nicht aliquot zugelegt, sondern ist zurückgegangen", ergänzt Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien. Konkret gibt es um 100 niedergelassene Kassenärzte weniger, und durch das neue Arbeitszeitgesetz stehen die Wiener Spitalsärzte ihren Patienten aktuell im Durchschnitt um ungefähr 17 Prozent weniger Stunden zur Verfügung als früher.

„Hinzu kommt, dass in den nächsten zehn Jahren in etwa ein Drittel aller Spitalsärzte und sogar die Hälfte der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen werden", warnt Steinhart. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch ein Nachwuchsproblem, weil 40 Prozent der Medizinabsolventen aufgrund besserer Arbeitsbedingungen, etwa in Deutschland, der Schweiz oder in Skandinavien, ins Ausland gehen.


Gesundheitsversorgung steht auf dem Spiel

In Summe hat diese Entwicklung zur Folge, dass die optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten auf dem Spiel steht. Weismüller: „Im Spitalsbereich werden die Wartezeiten auf Operationen immer länger, Stationen müssen geschlossen werden, im niedergelassenen Bereich erhöhen sich ebenfalls die Wartezeiten, und die Zeit für eine ausreichende Betreuung der Patienten geht verloren."

Diese Schieflage wird auch von der Bevölkerung wahrgenommen: „Nicht einmal ein Drittel der Wiener glaubt, dass sich das Gesundheitssystem in die richtige Richtung entwickelt. Fast zwei Drittel sind vielmehr davon überzeugt, dass es in die falsche Richtung geht", zitiert Steinhart rezente Umfrageergebnisse der Ärztekammer.


„Brauchen raschest entschlossene Politik"

In der Vergangenheit hat die Ärztekammer wiederholt auf diese Probleme aufmerksam gemacht – bisher weitgehend ohne Ergebnis. Durch die plakative Darstellung der untragbaren Situation soll die Handlungsbereitschaft von Politik und Sozialversicherung erhöht werden, weg von einer permanenten Einspar- und Kostendiskussion im Gesundheitsbereich hin zu einer Debatte über nötige Investitionen zu gehen.

„Wir raten der Stadt Wien und der Sozialversicherung, diesmal unsere Warnungen ernst zu nehmen, denn niemand will, dass es schlussendlich doch noch zu nicht mehr aufzuhaltenden Patientengefährdungen kommt", warnen Szekeres, Steinhart und Weismüller. „Die Situation in Wien gerät zunehmend außer Kontrolle, wir brauchen raschest eine entschlossene Politik gekoppelt mit den notwendigen Investitionen." (ast)


(S E R V I C E – Mehr Informationen unter www.gesundheitingefahr.wien.)