Ärztekammer warnt vor zunehmend monetären Interessen im Gesundheitswesen

Finanzinvestoren drängen in den Markt - Szekeres: „Die Unabhängigkeit der gesamten Medizin ist damit in Gefahr"

Die derzeitige Diskussion rund um die Änderungen im Apothekengesetz zwischen Apothekerkammer und dem Verband der Arzneimittelgroßhändler, Phago, beschäftigt auch die Ärztekammer. Sie klagt seit jeher über die Zunahme von monetären Interessen im Gesundheitswesen. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres begrüßt daher ausdrücklich die geplanten gesetzlichen Änderungen, die eine Limitierung der finanziellen Spielräume von Investoren im Apothekenbereich vorsehen.

„Wenn Geld verstärkt in den Fokus rückt, ist die Unabhängigkeit der Medizin in Gefahr", so Szekeres, der auf ähnliche Probleme für die Ärzteschaft verweist: „Genauso wie bei den Apotheken, wo Arzneimittelgroßhändler nach Beteiligungen streben, um den Absatz ihrer Produkte abzusichern, versuchen immer wieder Finanzinvestoren, sich in Ordinationen oder ganze Kliniken einzukaufen."

Das Resultat derartiger finanzieller Beteiligungen an Gesundheitseinrichtungen wie Ordinationen, Kliniken oder auch Apotheken „ist in der Regel nicht das Patientenwohl, sondern wieviel man maximal an jedem Patienten verdienen kann", so Szekeres weiter. Das schade in vielen Fällen der Gesundheit mehr, als es ihr diene.

In Deutschland und anderen europäischen Staaten sind sowohl das Apotheken-  als auch das Ärztegesetz in dieser Hinsicht schon viel schärfer, gibt Szekeres zu bedenken. Österreich habe hier einen massiven Nachholbedarf. Der Gesetzgeber sei gefordert, legistische Voraussetzungen zu schaffen, um den Spielraum finanzkräftiger und ausschließlich gewinnorientierter Investoren einzugrenzen.

„Wenn wir es nicht schaffen, den Trend zur Ökonomisierung in der Medizin abzuwenden, dann werden wir schon bald in einer Welt leben, wo Menschen unterschiedlich viel ‚wert‘ sind und Patienten möglicherweise mehr Medizin als notwendig erhalten, nur um die Gewinne der Investoren zu maximieren, oder auch Defizite bei der medizinischen Behandlung auftreten, nur weil bestimmte Patienten zu wenig abwerfen", warnt Szekeres. Kein Mensch aber dürfe „mit Geld aufgewogen werden". Und niemals dürfe Geld über die Gesundheit der Patienten bestimmen. (ast)