Friday for Future: Ärztekammer unterstützt Forderungen von Jugendlichen

Apokalyptischen Szenarien entgegentreten - Städteplanerisches Umdenken ist gefordert

Die Ärztekammer unterstützt das beherzte Engagement von Kindern und Jugendlichen für eine intakte Umwelt sowie einen adäquaten Lebens- und Bewegungsraum. Man dürfe nicht abwarten, bis die düsteren Prognosen der Klimaforscher auch wirklich passierten, denn: „Man kann jetzt noch etwas tun, um diesen apokalyptischen Szenarien wirkungsvoll entgegenzutreten", betont der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres.

Am heutigen „Friday for Future" werden wieder Zigtausende Schüler, Lehrlinge und Jugendliche weltweit für einen professionellen und ernst gemeinten Klimaschutz beziehungsweise gegen die weltweite Haltung der Politik in Sachen Klimaschutz protestieren. Für Szekeres sind dabei die Forderungen der Jugend vollkommen berechtigt und wissenschaftlich belegt: „Wir Ärztinnen und Ärzte propagieren die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils. Dieser aber kann nur in einem gesunden Umfeld wahrgenommen werden. Ein gesunder Lebensstil bedarf daher eines adäquaten, natürlichen Lebens- und Bewegungsraums."

Schon die aktuellen Klimaauffälligkeiten und extremen Wetterverhältnisse führen zu immensen wirtschaftlichen Schäden. „Flutkatastrophen, Lawinen- und Murenabgänge, Smog- und Luftverschmutzung sowie die Beeinträchtigung der Wasserqualität wirken sich massiv auf die Lebensqualität und die Gesundheit der Menschen aus", warnt Szekeres. Durch Bodenerosion, Versalzung der Böden und Wassermangel, aber auch durch das Abschmelzen der Polkappen und den dadurch bedingten Anstieg des Meeresspiegels würden immer mehr Lebensräume unbewohnbar. Gebietsverluste durch radioaktive Verseuchung und Giftstoffbelastung wirkten hier „im wahrsten Sinne des Worts als apokalyptische Co-Faktoren".

2050 bereits mehr als 140 Millionen Klimaflüchtlinge

2014 wurde von Neuseeland weltweit erstmals der Status eines Klimaflüchtlings anerkannt. Laut Prognosen der Weltbank könnte es bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben, wenn die Politik nicht entschiedener gegen den Klimawandel vorgeht. „Mit jedem Tag ohne nachhaltige Gegenreaktion werden die Auswirkungen des Klimawandels zu einer noch größeren wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und letztendlich existenziellen Bedrohung", ergänzt der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher.  

Insbesondere in den Ballungsräumen sei ein städteplanerisches Umdenken dringend gefordert: „Die Städte und Metropolen entwickeln sich in Richtung Peripherie. Es gilt, Grünland, Erholungs- und Bewegungsraum im innerstädtischen Bereich zu erhalten beziehungsweise zu erweitern." Unbebaute Grundstücke müssten daher vom Wert her an die bebauten Flächen angepasst werden, „dann wird auch nicht mehr so rücksichtslos gebaut werden", betont Lercher.

In diesem Sinne unterstützt die Ärztekammer die Forderungen der Jugendlichen, insbesondere schnelle und weitreichende Maßnahmen der Umweltschutzpolitik im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel und der globalen Klimagerechtigkeit, eine klare und angemessene Kommunikation mit der Bevölkerung zur Dringlichkeit der Lage der Klimakrise seitens der Regierungen, einen ambitionierten Plan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und das Ende deren Finanzierung, die Bereitstellung von angemessenen Finanzmitteln für weniger industrialisierte Länder, um weltweit den Umstieg auf erneuerbare Energien und nachhaltige Strukturen zu beschleunigen sowie die Erstellung von Verkehrskonzepten für Städte und Umland, die Menschen, Radverkehr und öffentliche Verkehrsmittel in den Mittelpunkt stellen.

Szekeres: „Alle Verantwortlichen – und das sind nicht nur die Politiker, sondern wir alle, also auch die Gesellschaft im Allgemeinen – sind gefordert, in Generationen zu denken und nicht alles einem permanenten und rücksichtslosen Wachstum zu unterwerfen." (hpp)