Sehr geehrte Frau Kollegin!
Sehr geehrter Herr Kollege!

 

Klinik Floridsdorf offiziell eröffnet: Ärztekammer ortet massiven Nachholbedarf
In der Klinik Floridsdorf - der wenig prestigeträchtige Name Krankenhaus Nord ist bereits Geschichte - ist vergangenen Montag die erste Patientin empfangen worden. Die Frau, die zu einer länger geplanten Kontrolluntersuchung in die Endoskopie kam, wurde von Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker höchstpersönlich begrüßt. Das Krankenhaus ging am Montag offiziell in Betrieb, wobei die Notfallambulanz bereits am Wochenende zur Verfügung stand.

Für die Ärztekammer gibt es aber nach wie vor gravierende Mängel in dem Spital. So fehlen vor allem eine funktionierende Personalbedarfsberechnung und dementsprechend aber auch ausreichend Personal. Laut Wiener Krankenanstaltenverbund basiert die derzeitige Berechnung auf 47 Stunden pro Woche (bei einer erlaubten Höchstarbeitszeit von 48 Stunden) mit einer 15-prozentigen Ausfallsquote (Urlaub, Krankenstand, Fortbildung etc.) und definiert somit einen Bedarf von rund 450 Ärztinnen und Ärzten.

Aus Sicht der Ärztekammer müsste der Personalbedarf aber auf 40 Stunden bei einer 20-prozentigen Ausfallsquote berechnet werden, analog zu anderen medizinischen Berufsgruppen im KAV. Eine korrekte Berechnung würde daher einen Bedarf von 506 Ärztinnen und Ärzten ergeben. Nach der derzeitigen Berechnung sind die Arbeitszeiten zu hoch und die Ausfallsquote zu gering kalkuliert, die Bedarfsplanung ist somit absolut illusionär und inakzeptabel.


ÖÄK begrüßt WHO-Entscheidung zu Burnout
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout als "Berufsphänomen" in die neue Klassifikationsliste mit dem Namen ICD-11 inkludiert, die im Jänner 2022 in Kraft tritt. Burnout wird künftig als Syndrom aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird" definiert. Dabei sehen die Gesundheitsexperten drei Dimensionen: ein Gefühl von Erschöpfung, eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job sowie verringertes berufliches Leistungsvermögen. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) begrüßt diese Entscheidung, denn durch die genauere Definition erhöht sich das Bewusstsein für gesundheitliche Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz. Das betrifft demnach nicht nur Patienten, sondern auch Spitalsärzte, die in ihrer verantwortungsvollen Arbeit Burnout-gefährdet sind. Spitalsärzte müssen daher entlastet werden, damit sie nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen - auch im Hinblick auf das Genfer Gelöbnis. In diesem wurde vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitsbelastung festgehalten, dass Ärztinnen und Ärzte auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu achten haben. Zeitdruck, Arbeitszeitverdichtung aufgrund von zunehmender Personalknappheit, überfüllte Ambulanzen und der hohe administrative Aufwand belasten nach wie vor den Klinikalltag. Ärztinnen und Ärzte sind daher besonders gefährdet, an einem Burnout zu erkranken.


Erwachsenenschutzgesetz - neues Muster für das ärztliche Zeugnis
Im Rahmen eines Austauschtreffens im Bundesministerium für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz zum Thema Erwachsenenschutzrecht wurde das Muster für das ärztliche Zeugnis zur Eintragung einer Erwachsenenvertretung geändert. Ausschlaggebend für die Überarbeitung waren gehäufte Anfragen und Unklarheiten in der Verwendung des Formulars zum ärztlichen Zeugnis. Das ärztliche Zeugnis dient der Bestätigung des Eintritts des Vorsorge- bzw. Vertretungsfalls. Der Arzt hat nach persönlicher Begutachtung und Berücksichtigung des vereinbarten Wirkungsbereichs in der Vollmachtsurkunde die entsprechende Vertretungsform auf dem ärztlichen Zeugnis anzukreuzen und bestätigt somit, dass eine volljährige Person aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer vergleichbaren Beeinträchtigung eingeschränkt entscheidungsfähig ist und die vom Wirkungsbereich des Vertreters umfassten Angelegenheiten nicht selbst besorgen kann. Das aktualisierte Muster für das ärztliche Zeugnis ist auf der Website der Ärztekammer für Wien hier abrufbar. Für Rückfragen steht Ihnen Frau Mag. Laura Kreidl von der Stabsstelle Recht der Ärztekammer für Wien unter kreidl@aekwien.at gerne zur Verfügung.


Wir sind für Feedback, Wünsche und Anregungen stets offen.
Diese bitte an: kurie.ang@aekwien.at.

Mit kollegialen Grüßen

Ihre Kurie angestellte Ärzte