Szekeres zu Ärztedichte: OECD operiert mit unterschiedlichen Zahlen

Tatsächlich liegt Österreich bei der Medizinerdichte im europäischen Mittelfeld – 40 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums gehen ins Ausland

„Die heute von der OECD veröffentlichte Studie ‚Gesundheit auf einen Blick 2019‘ trägt wieder einmal zu dem Mythos bei, dass Österreich hinter Griechenland die höchste Ärztedichte pro Kopf in Europa habe", kritisiert Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Seit Jahren operiere die OECD mit „nicht direkt vergleichbarem Datenmaterial".

Die Daten, welche die Länder bei der OECD einmelden, seien nicht miteinander vergleichbar. So zähle die OECD bei Österreich etwa die Turnusärzte, also Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, mit ein, die allerdings noch nicht voll versorgungswirksam seien, während andere Länder auszubildende Jungmediziner nicht an die OECD meldeten. Auch würden Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse, die in Österreich immer mehr zunehmen, nicht berücksichtigt.

Erst vor einem Monat wurden in einer unabhängigen Studie des deutschen IGES-Instituts in einem Ländervergleich zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich die Zahlen zur Ärztedichte richtiggestellt. „Den Erhebungen zufolge liegt Österreich dabei gleichauf mit Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld und weit weg von einem Podestplatz", so Szekeres. Das IGES-Institut erfasste in der Vergleichsstudie nur jene Ärztinnen und Ärzte, die zur selbstständigen Berufsausbildung berechtigt sind – also ohne Ausbildungs-/Turnusärzte - sowie auf Basis eines Vollzeitäquivalents. Daraus ergibt sich eine tatsächliche Ärztedichte für Österreich von nur 3,56 pro 1.000 Einwohner und nicht, wie von der OECD kolportiert, von 5,2 auf 1.000 Einwohner.

Auch die von der OECD publizierte hohe Absolventenzahl bei Medizinstudenten in Österreich im europäischen Vergleich könne nicht unkommentiert bleiben, so Szekeres, „denn 40 Prozent der Medizinstudenten an österreichischen Universitäten gehen nach dem Studiumabschluss ins Ausland. Sie kehren Österreich den Rücken, weil die Arbeitsbedingungen in Deutschland, der Schweiz oder in Skandinavien besser sind und dort ebenfalls ein Ärztemangel herrscht". Den Jungärzten würden dort oft neben sehr flexible Arbeitszeitmodellen auch gleich eine Wohnung, ein Kindergarten- und Schulplatz für die eigenen Kinder oder ein Job für die Lebenspartner mit angeboten.

Für Szekeres ist das eine Entwicklung, die den schon bestehenden Ärztemangel in Österreich im Verhältnis zur wachsenden Bevölkerung in Zukunft noch weiter verschärfen wird. Eine Erhöhung der Medizin-Studienplätze würde in diesem Zusammenhang am Problem des Ärztemangels in Österreich auch nichts ändern, sofern nicht entsprechenden Begleitmaßnahmen umgesetzt würden: „Andernfalls produzieren wir mit mehr Studienplätzen nur noch mehr Mediziner für das Ausland, die nach dem erfolgreichen Abschluss in Österreich in Länder abwandern, in denen sie bessere Berufsbedingungen vorfinden als hierzulande."

„Um die nach wie vor gute Gesundheitsversorgung im Verhältnis zur zunehmenden sowie auch immer älter werdenden Bevölkerung auch in Zukunft allen Österreicherinnen und Österreichern anbieten zu können, sind in Wien zusätzlich 600 Ärztinnen und Ärzte nötig, österreichweit fehlen in Summe in etwa 1.450 Medizinerinnen und Mediziner", betont Szekeres. Allein in Wien hat die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um 200.000 Mitbürger zugenommen, die Zahl der Spitalsärzte ist im selben Zeitraum stagniert, jene der niedergelassenen Kassenärzte sogar um mehr als 100 zurückgegangen. (bs)

(S E R V I C E - Die Ergebnisse der IGES-Studie sind auf der Website der Ärztekammer für Wien nachzulesen:
www.aekwien.at/dach-studie.)