23.08.2016 Quelle: Österreich, Seite 7

Ärzte-Streik: Notdienst im Spital

Eskalation: 92,78 %der Wiener Spitalsärzte sprechen sich für Kampfmaßnahmen aus.

Wien. Im Streit um die Reduktion von Nachtdiensten greifen die Ärzte jetzt zum letzten Mittel. Eine Abstimmung über Kampfmaßnahmen hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht: 92,78 Prozent der Wiener Spitalsärzte sind streikbereit. Das gab die Ärztekammer am Montag bekannt. Damit sind Protestmaßnahmen der Ärzte fix, und zwar schon nächste Woche.

Beratung. Morgen berät die zuständige Kurie in der Ärztekammer über das Ergebnis der Abstimmung.

"Eskalation". Ab 1. September sollen 40 Nachtdienste pro Tag gestrichen werden. Noch davor, ab Anfang nächster Woche, planen die Ärzte den Streik. "Denkbar ist ein Eskalationsszenario", sagt der Wiener Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres. Die Ärzte starten mit Betriebsversammlungen, die immer länger dauern, machen dann Dienst nach Vorschrift bis hin zu einem reinen Notbetrieb in den Spitälern.

Nachtdienste Zankapfel zwischen Ärzten und KAV

Notbetrieb. Die Versorgung der Patienten soll gewährleistet bleiben. "Wir führen diese Proteste für und nicht gegen die Patienten durch." Die Reduktion der Nachtdienste sei abgemacht gewesen, aber nur bei Einführung von zentralen Notaufnahmen. Dies sei bis heute nicht geschehen.

Für den Chef des Krankenanstaltenverbunds (KAV), Udo Janßen, ist der Streik indes nicht nachvollziehbar. Die Ärzte bekämen seit einem Jahr ein um 30 bis 50 % höheres Gehalt bezahlt. "Jetzt ist es höchst an der Zeit, dass eine Reduktion der Nachtdienste umgesetzt wird", so Janßen.

»15.000 Nachtdienste werden fehlen«

ÖSTERREICH: Warum der Streik? Ist eine größere Präsenz der Ärzte untertags nicht sinnvoll?

THOMAS SZEKERES: Das ist ein aufgelegter Unsinn. Sie können einem blutenden Patienten nicht sagen: Kommen Sie morgen wieder, da ist der Arzt da.

ÖSTERREICH: War die Reduktion der Nachtdienste nicht akkordiert?

SZEKERES: Nur bei Einführung von Notfalleinrichtungen und dem Ausbau des niedergelassenen Bereichs. 15.000 Nachtdienste werden fehlen.

ÖSTERREICH: Geht es nur um die Nachtdienste?

SZEKERES: Es geht um lange Wartezeiten, Gangbetten und immer schlechtere Versorgung.

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