Präsentation der Imagekampagne „Wiener Spitalsärzte leisten mehr"

Wien, 17. Jänner 2019 Im Jänner 2019 begeht das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) sein mittlerweile vierjähriges Jubiläum. Trotz der jahrelangen Proteste der Ärztekammer und zwischenzeitlicher Einigungen zum Thema versucht der Gesetzgeber derzeit wieder, das Arbeitszeitgesetz „aufzuweichen". Gerade rechtzeitig zum Jubiläum des KA-AZG und den damit neu einhergehenden Problemen macht die Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien mit einer Imagekampagne zu den ärztlichen Leistungen und der damit verbundenen Qualität der Patientenversorgung aufmerksam.

„Wir starten die Kampagne, um aufzuzeigen, was Wiens Spitalsärzte alles leisten", verkündet Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, und setzt gleich nach: „Wir werden auch die Kehrseite der Medaille zeigen, nämlich mit welchen schwierigen Arbeitsbedingungen die Spitalsärzte tagtäglich zu kämpfen haben."

Dennoch geben Spitalsärzte „alles, um den Wienerinnen und Wienern eine – noch – exzellente Gesundheitsversorgung zu bieten". Das werden auch vier Sujets, flächenmäßig über ganz Wien verteilt, in den nächsten Wochen den Bürgerinnen und Bürgern Wiens näherbringen – „damit die Menschen wissen, was den Beruf Spitalsarzt ausmacht und was er für die Bevölkerung leistet".

Die Sujets mit den Schwerpunkten „Starthilfe", „Überleben", „High-Tech-Medizin" und „Forschung" sollen mit klassischen Printplakaten, digitalen City-Lights, Inseraten in relevanten Hochglanzmagazinen sowie via Social Campaigning in Social Media verbreitet werden und entsprechende Aufmerksamkeit generieren, bevor mit Anfang März weitere Sujets mit „dem andere Gesicht des Spitalsalltags" gezeigt werden.

„Hintergrund der Kampagne ist, neben den Stärken des Spitalsarztberufs auch auf die vom System verursachten Schwierigkeiten aufmerksam zu machen und darauf hinzuweisen, welche Gefahren für Wiens Spitäler und das Wiener Gesundheitssystem als Ganzes in Zukunft drohen, wenn man nicht rechtzeitig gegenlenkt", betont Weismüller.

Weniger Ruhezeit für Ärzte geplant

Aktuellste Bedrohung für die Gesundheitsversorgung ist laut Weismüller eine bevorstehende „Aufweichung" des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG) bei den Ruhezeiten. „Die Bundesregierung plant eine Novelle zum KA-AZG, die im Bereich der Rufbereitschaft eine Kürzung der Ruhezeiten für Ärztinnen und Ärzte von elf auf fünf Stunden vorsieht, also mehr als die Hälfte weniger."

Die Novelle würde mit der darin vorgesehenen Reduktion der Ruhezeiten bedeuten, dass die Regenerationsdauer für Ärztinnen und Ärzte massiv verringert und die Arbeitsbelastung damit noch höher wird. „Wir sind jetzt bereits an den Grenzen unserer Belastbarkeit – mehr geht einfach nicht mehr", beurteilt Weismüller die bedrohend prekäre Situation. „Wir wollen für unsere Patienten ausgeruht sein. Es kann nicht sein, dass wir, obwohl wir bereits jetzt mit einem enormen Leistungsdruck konfrontiert sind, uns zukünftig noch weniger zwischen unseren Diensten ausruhen dürfen. Ich fordere die Bundesregierung auf, die Novelle noch rechtzeitig abzuändern." Ansonsten werde es – wie es Bundeskanzler Sebastian Kurz einst in der Flüchtlingssituation provokant formulierte – „nicht ohne hässliche Bilder gehen".

KA-AZG: Weniger Leistung, mehr Patienten

„Bereits jetzt gehen uns durch das KA-AZG 10 Prozent an Arztstunden und damit an medizinischer Leistung am Patienten verloren", erläutert Weismüller. „Das entspricht etwa 300 Ärztinnen und Ärzten im Vollzeitäquivalent, die uns allein in Wiens Spitälern fehlen." Für Weismüller ist das KA-AZG selbst nicht an der Misere schuld, sondern die fehlenden Maßnahmen sind es, die mit der Einführung des KA-AZG nicht gesetzt wurden.

„Da wir derzeit maximal 48 Stunden arbeiten dürfen, müssen die vorher geleisteten Mehrstunden aufgefangen werden. Das geht nur mit der Einstellung von mehr Personal, denn die Patienten werden nicht weniger." Wiens Spitalsärzte leisten enorm viel, haben aber immer weniger Zeit für die Patienten, weil ihnen die Kolleginnen und Kollegen fehlen.

Neben der wachsenden Bevölkerung darf auch der Großstadtfaktor Wiens, wie in jeder anderen Millionenmetropole, nicht unterschätzt werden. In Wien werden zahlreiche Patienten aus den Bundesländern behandelt, vor allem komplizierte und komplexe Fälle.

Weismüller: „Viele Spezialisten sitzen in der Bundeshauptstadt, und hier wird Spitzenmedizin auf höchstem Niveau betrieben. Dennoch ist irgendwann einmal kapazitätsmäßig Schluss."

Pensionierungswelle verschärft die Lage

Zusätzlich wird die Lage durch die anrollende Pensionierungswelle in den Spitälern verschärft, die in einigen Fächern erheblich ist. „Parallel dazu finden wir keine Jungärzte. Ärztinnen und Ärzte werden in unseren Spitälern ausgebildet, verlassen dann aber – und oft sind es die besten Köpfe – aufgrund der unattraktiven Arbeitsbedingungen Österreich", so Weismüller.

Deswegen würde auch eine von manchen Seiten geforderte Aufstockung der Studienplätze nicht das gewünschte Ergebnis bringen, denn die enorme Arbeitsverdichtung der letzten Jahre sowie eine nicht dem internationalen Niveau angepasste Bezahlung würde den ärztlichen Nachwuchs abschrecken.

Im Jänner 2019 wurde zu diesem Thema eine statistische Auswertung aller angestellte Ärztinnen und Ärzte in Wien anhand der Altersverteilung erstellt. Aus dieser Statistik geht hervor, dass in Wien derzeit 6.896 Allgemeinmediziner und Fachärzte beschäftigt sind. Davon werden allerdings in den nächsten zehn Jahren 33,5 Prozent (2.324 Ärztinnen und Ärzte) in Pension gehen.

Stark betroffen sind vor allem die Fachbereiche Anästhesiologie und Psychiatrie. In beiden Fächern werden in diesem Zeitraum etwa jeweils 39 Prozent der Ärztinnen und Ärzte ihre Pension antreten. Im Fachbereich Innere Medizin und bei den Kinderärzten sind es ebenfalls bereits 32 Prozent. „Wir Alten gehen in Pension, die Jungen kommen nicht nach. Jeder kann sich selbst ausmalen, wohin das führen wird", resümiert Weismüller.

„Die vorliegende Datenlage, die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung sowie die fehlende Einstellungspolitik auf Landes- und Arbeitgeberebene geben uns großen Anlass zur Sorge", betont Weismüller. „Wir fordern als Ärztekammer daher die jeweils Verantwortlichen auf, in ihren Wirkungsbereichen entgegenzusteuern und uns Ärztinnen und Ärzten zu helfen, die derzeit noch funktionierende Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten." Falls man an der Gesundheit der Menschen jedoch sparen wolle, dann „sind Nichtstun beziehungsweise weitere Aufweichungen von existierenden Regelungen auch ein entsprechendes, wenn auch verheerendes, Signal an die Bevölkerung", so Weismüller.

 

Ihr Gesprächspartner:

 

Dr. Wolfgang Weismüller

Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien

Telefon:0676/882 882 10

E-Mail: weismueller@aekwien.at

 

Kontakt für Journalisten-Rückfragen:

Ärztekammer für Wien, Dr. Hans-Peter Petutschnig

Telefon: 01/515 01-1273 DW, 0664/10 14 222, Fax: 01/512 60 23-1273,

E-Mail: hpp@aekwien.at