Spitalsärzte: Imagekampagne soll Stärken und Probleme aufzeigen

Regierung will KA-AZG aufweichen – Weismüller: „Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen"

Im Jänner 2019 begeht das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) sein mittlerweile vierjähriges Jubiläum. Trotz der jahrelangen Proteste der Ärztekammer und zwischenzeitlicher Einigungen zum Thema versucht der Gesetzgeber derzeit wieder, das Arbeitszeitgesetz „aufzuweichen". Gerade rechtzeitig zum Jubiläum des KA-AZG und den damit neu einhergehenden Problemen macht die Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien mit einer Imagekampagne zu den ärztlichen Leistungen und der damit verbundenen Qualität der Patientenversorgung aufmerksam.

„Wir starten die Kampagne, um aufzuzeigen, was Wiens Spitalsärzte alles leisten", verkündet Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, und setzt gleich nach: „Wir werden auch die Kehrseite der Medaille zeigen, nämlich mit welchen schwierigen Arbeitsbedingungen die Spitalsärzte tagtäglich zu kämpfen haben."

Dennoch geben Spitalsärzte „alles, um den Wienerinnen und Wienern eine – noch – exzellente Gesundheitsversorgung zu bieten". Das werden auch vier Sujets, flächenmäßig über ganz Wien verteilt, in den nächsten Wochen den Bürgerinnen und Bürgern Wiens näherbringen – „damit die Menschen wissen, was den Beruf Spitalsarzt ausmacht und was er für die Bevölkerung leistet".

Die Sujets mit den Schwerpunkten „Starthilfe", „Überleben", „High-Tech-Medizin" und „Forschung" sollen mit klassischen Printplakaten, digitalen City-Lights, Inseraten in relevanten Hochglanzmagazinen sowie via Social Campaigning in Social Media verbreitet werden und entsprechende Aufmerksamkeit generieren, bevor mit Anfang März weitere Sujets mit „dem andere Gesicht des Spitalsalltags" gezeigt werden.

„Hintergrund der Kampagne ist, neben den Stärken des Spitalsarztberufs auch auf die vom System verursachten Schwierigkeiten aufmerksam zu machen und darauf hinzuweisen, welche Gefahren für Wiens Spitäler und das Wiener Gesundheitssystem als Ganzes in Zukunft drohen, wenn man nicht rechtzeitig gegenlenkt", betont Weismüller.

Weniger Ruhezeit für Ärzte geplant

Aktuellste Bedrohung für die Gesundheitsversorgung ist laut Weismüller eine bevorstehende „Aufweichung" des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG) bei den Ruhezeiten. „Die Bundesregierung plant eine Novelle zum KA-AZG, die im Bereich der Rufbereitschaft eine Kürzung der Ruhezeiten für Ärztinnen und Ärzte von elf auf fünf Stunden vorsieht, also mehr als die Hälfte weniger."

Die Novelle würde mit der darin vorgesehenen Reduktion der Ruhezeiten bedeuten, dass die Regenerationsdauer für Ärztinnen und Ärzte massiv verringert und die Arbeitsbelastung damit noch höher wird. „Wir sind jetzt bereits an den Grenzen unserer Belastbarkeit – mehr geht einfach nicht mehr", beurteilt Weismüller die bedrohend prekäre Situation.

„Wir wollen für unsere Patienten ausgeruht sein. Es kann nicht sein, dass wir, obwohl wir bereits jetzt mit einem enormen Leistungsdruck konfrontiert sind, uns zukünftig noch weniger zwischen unseren Diensten ausruhen dürfen. Ich fordere die Bundesregierung auf, die Novelle noch rechtzeitig abzuändern." Ansonsten werde es – wie es Bundeskanzler Sebastian Kurz einst in der Flüchtlingssituation provokant formulierte – „nicht ohne hässliche Bilder gehen". (ast)

Spitalsärzte 2: Zu wenig Ärzte und mehr Patienten gefährden System