Die Vorsorgeuntersuchung

Jeder in Österreich Sozialversicherte ab dem vollendeten 18.Lebensjahr  hat Anspruch auf eine Gratis-Vorsorgeuntersuchung einmal pro Jahr.
Ob ein Anspruch besteht, lässt sich am Leichtesten mit der E-Card überprüfen. Wenn die Option Vorsorgeuntersuchung gesteckt werden kann, besteht der Anspruch. Wenn Sie keinen E-Card Reader haben, sollten Sie die Probandin oder den Probanden unterschreiben lassen , dass sie oder er in den letzten zwölf Monaten die staatliche Vorsorgeuntersuchung nicht gemacht hat. Honorar von den Sozialversicherungen gibt es nur, wenn  zwischen den Vorsorgeuntersuchungen mindestens 365 Tage liegen!
Es gibt zwei Arten von Probandinnen oder Probanden, die deswegen zu Ihnen kommen: Patienten, die schon bei Ihnen in Behandlung sind und Menschen, denen Sie bei der Gesundenuntersuchung erstmals begegnen.

In beiden Fällen ist die Struktur der Vorsorgeuntersuchung gleich:
 

Anamnese  

Gehen Sie mit den Probanden den bereits ausgefülten Anamnesebogen durch. Bei Ihren Patienten sollten Sie sich denjenigen Bereichen verstärkt widmen, deretwegen sie bei Ihnen nicht in Behandlung sind.  
 

Labor   

Sie können entweder das Labor selber machen oder die Proben an ein medizinisches Labor senden oder die Probandin (auch den Probanden) dorthin schicken.

Laborumfang:

Männer und Frauen jeden Alters: 
Blutzucker, Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride, y-GT, Harnstreifentest
Frauen jeden Alters: rotes Blutbild (Erythrocyten,Hämoglobin,Hämatokrit)
Männer und Frauen ab 50: Test auf occultes Blut im Stuhl

Wenn der Laborblock durch ein medizinisches Labor durchgeführt wird, muss auf der Überweisung als Diagnose „ Vorsorgeuntersuchung " stehen und es dürfen keine zusätzlichen Untersuchungen angefordert werden. Diese können ausschließlich im kurativen Bereich angefordert und müssen auch dort verrechnet werden.  (z.B. PSA)
Der Stuhltest auf occultes Blut  wird nicht an das Labor geschickt sondern von der Ordination, die die Vorsorgeuntersuchung macht, durchgeführt . Sie müssen den Stuhltest leider beisteuern.
 

Untersuchung  

Untersuchen Sie so, wie Sie es gewohnt sind und machen einen vollständigen Status. (dadurch übt man wieder). Bewährt hat es sich, beruhigende Teilbefunde gleich mitzuteilen. ( „Die Herztöne sind rein und ihr Herz ist normal groß.") Ihre Patientinnen und Patienten kennen Sie wahrscheinlich in den Bereichen, in denen etwas Pathologisches besteht so gut, dass Sie sich getrost dem anscheinend Unauffälligen widmen können. Etwas ungewohnt ist vielleicht der Blick auf den Zahn(fleisch)status und der Hörtest (ab 65). Muttermale sollten bei geringstem Zweifel der fachärztlichen Begutachtung zugeführt werden.   
 

Überweisungen 

Sie sollten die Kolleginnen und Kollegen zu denen Sie zuweisen kennen und bei einem Kaffee oder Ähnlichem deren Arbeitsweise und Einstellungen, Stärken und Schwächen besprochen haben. Dadurch lassen sich Befunde wesentlich besser interpretieren. Auch Ihr Spezialist wird sich auf Sie als Zuweiser einstellen, wenn er Ihre Eigenheiten kennt.

  • Colonoskopie 
    Weisen Sie wenn irgend möglich zu zwei oder drei Ihnen bekannten, erfahrenen Endoskopikern zu. Ihre Probanden werden dankbar sein. Klären Sie im Vorfeld, unter welchen Umständen eine Kurznarkose gegeben wird, wieviel das kostet und wann nachher wieder mit dem Auto gefahren werden kann. Sagen Sie Ihren Probandinnen und Probanden die Wahrheit! („Die Untersuchung ist unangenehm aber nur selten schmerzhaft")'
     
  • Mammografie 
    Weisen Sie wenn irgend möglich zu ein oder zwei  Ihnen bekannten, erfahrenen Radiologen zu. Klären Sie die Probandinnen über das Für und Wider der Untersuchung auf. Haben Sie bitte eine eigene Meinung zu diesem Thema, vertreten sie diese und lassen Sie die Probandin sich ihre eigene auf Grund Ihrer Beratung bilden.
     
  • Urologie-PSA 
    Weisen Sie wenn irgend möglich zu ein oder zwei  Ihnen bekannten, erfahrenen Urologinnen oder Urologen zu. Klären Sie die Probanden über das Für und Wider des PSA Tests auf. Haben Sie bitte eine eigene Meinung zu diesem Thema, vertreten sie diese und lassen Sie den Probanden sich seine eigene auf Grund Ihrer Beratung bilden.
     
  • Ophtalmologie 
    Klären Sie  darüber auf, dass es einen Unterschied macht, ob beim Optiker die Brillenstärke bestimmt oder bei  der Augenärztin der Augenhintergrund, der Augendruck, der Zustand der Linse und der Visus bestimmt wird.
     
  • HNO 
    Meist wegen pathologischen Hörtests und der Frage, ob ein Hörgerät etwas Gutes bewirken kann. Merke: ein Hörgerät, das in zu hohem Lebensalter angepasst wurde, wird meist nicht toleriert da die Nebengeräusche auszublenden eine zu hohe intellektuelle Herausforderung darstellt.
     
  • Dermatologie 
    Die Zusammenarbeit mit einer erfahreren Spezialistin oder Spezialisten ist unerläßlich. Wer, wenn nicht Sie, soll erkennen, dass ein Muttermal vom guten Dermatologen zu begutachten und zu dokumentieren ist!


Abschlussgespräch

Fassen Sie  Anamnese, Untersuchung und Labor zu einem Befund zusammen und ziehen gemeinsam mit der Probandin (oder auch dem Probanden) praktikable Schlüsse daraus. 
Vereinbaren Sie- wenn notwendig- Kontrolltermine und fragen, ob der Proband (oder auch die Probandin) zu einer neuerlichen Vorsorgeuntersuchung wiedereingeladen werden will.


Kontakt

 Sabine Stastny

Sabine Stastny

Sekretärin des Fortbildungsreferats