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Gesundheitspolitische To-do-Liste für 2026: Schwerpunkte, Themensetzung und Reformvorschläge

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Gesundheitspolitische To-do-Liste für 2026: Schwerpunkte, Themensetzung und Reformvorschläge


„Bei medizinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungen muss immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen anstatt einer ökonomischen, bürokratischen oder politischen Logik“

Johannes Steinhart
Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien


Im Fokus: Versorgungslücken schließen, Vorsorgeuntersuchungen modernisieren und Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen attraktivieren

„Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien hat zumindest drei Tätigkeitsschwerpunkte: Erstens ständig die Interessen der Ärztinnen und Ärzte sowie unserer Patientinnen und Patienten gegenüber der Politik, den Sozialversicherungen und den Spitalsträgern zu vertreten. Zweitens erbringen wir für unsere Mitglieder Serviceleistungen auf einem hohen Niveau. Und drittens bringen wir Zukunftsthemen auf die politische Agenda und gestalten das Gesundheitssystem mit. Wir müssen Akzente setzen, damit es nicht andere für uns tun“, sagt Präsident Johannes Steinhart bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.

Beim heutigen Pressegespräch geht es darum, Bilanz zu ziehen und den Medien einen Ausblick auf das Jahr 2026 zu geben. „Im vergangenen Jahr haben wir eine Reihe wichtiger Etappenziele erreicht: von der Ausweitung kostenloser Leistungen bei Schutzimpfungen und Darmkrebs-Vorsorge bis zur Einigung mit dem Gesundheitsministerium auf eine Einführungsphase bei der Diagnosecodierung, um nur einige Beispiele zu nennen. Wir haben uns auch für 2026 viel vorgenommen und werden unsere Expertise weiterhin konstruktiv einbringen, um Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen im Wiener Gesundheitssystem voranzutreiben.“

Auf der gesundheitspolitischen To-do-Liste steht – neben der Schließung von Versorgungslücken im Kassenbereich – die Modernisierung und gendergerechte Weiterentwicklung der Vorsorgeuntersuchungen ebenso wie die notwendige Attraktivierung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und im kassenärztlichen Bereich. „Bei medizinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungen muss immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen anstatt einer ökonomischen, bürokratischen oder politischen Logik“, stellt Steinhart klar.

Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien wird ihre Expertise weiterhin konsequent bei Gesetzesbegutachtungen sowie in informellen Gesprächen und auf Experten-Ebene einbringen. „Es ist notwendig, bei wesentlichen gesundheitspolitischen Reformprozessen mit am Verhandlungstisch zu sitzen, etwa im Rahmen der ‚Reformpartnerschaft Österreich‘ von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden“, sagt Steinhart und appelliert: „Machen wir unser solidarisches Gesundheitssystem in allen Bereichen zukunftsfit: durch gezielte Investitionen, Innovation und die konstruktive und leistungsorientierte Zusammenarbeit aller wesentlichen Akteure.“

Steinhart verweist auf die Notwendigkeit, die Ärzteschaft in die Zielsteuerungskommissionen einzubeziehen, auf Landes- ebenso wie auf Bundesebene: „Unter anderem ist es erforderlich, eine sinnvolle Patientenlenkung zu entwickeln, mit dem Ziel der bestmöglichen Versorgung im Sinne von ‚Best Point of Care‘. Ohne ärztliche Expertise werden sich hier keine tragfähigen Konzepte entwickeln und umsetzen lassen. Ärztinnen und Ärzte als zentrale Leistungserbringer im Gesundheitssystem und als Anwältinnen und Anwälte von Patienteninteressen haben einen Anspruch darauf, dass Politik und Sozialversicherungen nicht nur über sie, sondern vor allem mit ihnen sprechen“, unterstreicht Steinhart. „Da gibt es noch Spielräume nach oben.“

Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Einsatz Künstlicher Intelligenz und Bürokratieabbau

Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien wird auch 2026 weitere Impulse zu wichtigen gesundheitspolitischen Themen setzen, dabei werden drei im Vordergrund stehen.

Zum einen das Thema „Frauen in der Medizin“. Steinhart: „Wir haben dazu eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, die wir schon bald vorstellen werden. Wir wollen uns empirisch fundiert ansehen, welche Erwartungen und Bedürfnisse Medizinstudentinnen, Ärztinnen in Ausbildung und langjährig erfahrene Ärztinnen heute mit dem ärztlichen Beruf verbinden.“

Wie seit Jahren gefordert ließen sich die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Spitalsbereich ganz konkret verbessern, indem beispielsweise Ausbildungsstellen auch in Teilzeit absolviert werden können oder auch am Wochenende Kinderbetreuung angeboten wird. Im niedergelassenen Bereich sind ebenfalls familienfreundlichere Arbeitsmodelle notwendig, damit Ärztinnen und Ärzte langfristig im Kassensystem bleiben. „Auf Basis der Studienergebnisse werden wir konkrete Maßnahmenvorschläge und Empfehlungen zu verbesserten Ausbildungsbedingungen, mehr Geschlechtergerechtigkeit und zur langfristigen Bindung von Medizinerinnen an den ärztlichen Beruf vorlegen“, kündigt Steinhart an.

Ein weiteres aktuelles Thema ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin, die längst Einzug in Diagnostik, Therapie und Administration hält. Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien beschäftigt sich laufend mit Chancen und Herausforderungen dieser rasant voranschreitenden Entwicklung, organisiert dazu eine Reihe von Veranstaltungen, informiert ihre Mitglieder und stößt öffentliche Diskussionen an. Steinhart: „Wesentlich ist, dass Ärztinnen und Ärzte in Entwicklungen wie KI, Digitalisierung und Telemedizin eingebunden sind und diese mitgestalten. Nur Ärztinnen und Ärzte können Patientinnen und Patienten Empathie und Zuwendung vermitteln. Gleichzeitig kann und soll uns KI bei der medizinischen Arbeit, etwa bei Untersuchungen und Befundungen, effektiv unterstützen und bei Verwaltungs- und Dokumentationstätigkeiten entlasten“, betont Steinhart. „Digitalisierung und insbesondere KI haben ein enormes Potenzial, das aber nur dann im für Ärztinnen und Ärzte sowie für Patientinnen und Patienten positiven Sinne genützt werden kann, wenn bestimmte Rahmenbedingungen stimmen.“

Drittes Schwerpunktthema ist die Reduktion von Bürokratie in Krankenhäusern und Kassenpraxen. „Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass Kolleginnen und Kollegen etwa ein Drittel ihrer Arbeitszeit für bürokratische Belange aufwenden, wertvolle Zeit also, die besser in die Betreuung unserer Patientinnen und Patienten investiert werden sollte“, berichtet Steinhart. „Deshalb brauchen wir einen Entbürokratisierungsgipfel, bei dem Vertreter der Ärzteschaft, der Sozialversicherungen, von Spitalsorganisationen und der Politik gemeinsam konkrete Maßnahmen zum Bürokratieabbau definieren und anschließend für deren Umsetzung sorgen. Angesichts der Ärzteknappheit in öffentlichen Spitälern und im Kassenbereich kann nicht einfach so weitergemacht werden wie bisher.“

Stärkung des niedergelassenen Bereichs und gendergerechte Vorsorgeuntersuchungen

„Die Stärkung des niedergelassenen Bereichs ebenso wie der Ausbau und die gendergerechte Modernisierung der Vorsorgeprogramme müssen 2026 ganz oben auf der gesundheitspolitischen Agenda stehen,“ sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Durch eine wohnortnahe, niederschwellige und präventive Versorgung leistet der niedergelassene Bereich einen essenziellen Beitrag dazu, die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu erhalten und das Gesundheitssystem zu entlasten. „Strukturierte Vorsorgeuntersuchungen spielen dabei eine wesentliche Rolle.“ Vorsorgeuntersuchungen sind ein zentrales Frühwarnsystem, um Erkrankungen zu erkennen und die gesunden Lebensjahre zu steigern. Das bestehende Leistungsspektrum ist allerdings nicht mehr zeitgemäß und muss umfassend modernisiert und erweitert werden. „Fehlende gendergerechte Medizin vernachlässigt sowohl frauenspezifische Bedürfnisse als auch zentrale Aspekte der Männergesundheit“, erklärt Kamaleyan-Schmied. „Notwendig ist daher der Aufbau eigenständiger,
geschlechterspezifischer Vorsorgeprogramme.“

Prävention bei den Kleinsten ansetzen

Wenn die klassischen Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen enden, klafft eine Vorsorge-Lücke bis zum 18. Lebensjahr. Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen der schulärztlichen Vorsorge versorgt werden. Die sogenannte Jugendlichenuntersuchung für 15- bis 18-Jährige ist berufstätigen Jugendlichen vorbehalten. „Um Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und das Gesundheitsbewusstsein zu stärken wäre allerdings ein Screening-Programm, ähnlich dem ‚Gesundheits-Check Junior‘ der SVS, notwendig“, sagt Kamaleyan-Schmied. Im Sinne einer konsequenten Vorsorge ist auch eine weitere Ausweitung des Impfprogramms notwendig. „Nachdem auf Forderung der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien die Immunisierung gegen RSV in das kostenfreie Kinderimpfprogramm aufgenommen wurde, muss in einem nächsten Schritt die Vierfachimpfung Pertussis, Diphtherie, Tetanus, Polio sowie die RSV-Impfung für Schwangere kostenlos angeboten werden.“

Aufbau eines strukturierten Prostatakrebs-Screening

Prostatakrebs ist in Österreich die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Internationale Studien zeigen, dass ein organisiertes Screening die Sterblichkeit durch Prostatakrebs um etwa 20 bis 30 Prozent senken kann. „Dennoch wurde das Thema Prostatakrebsvorsorge in Österreich bisher nicht angegangen und erfolgt überwiegend anlassbezogen und unsystematisch“, führt Kamaleyan-Schmied aus. „Notwendig ist ein organisiertes Vorsorgeprogramm, das Männer ab dem 50. Lebensjahr mittels persönlicher Einladung zu einer informierten und strukturierten Früherkennung motiviert – wie etwa bei der Brustkrebsvorsorge. Dieses Prostatakrebs-Screening muss ein ärztliches Beratungsgespräch, eine klinische Untersuchung sowie eine PSA-Blutuntersuchung umfassen.“ Die EU-Kommission hat sich 2022 dafür ausgesprochen, Prävention durch Krebsfrüherkennung zu stärken und die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, Programme zum Screening von Prostatakrebs umzusetzen. Dafür wurde auch Geld für Pilotprojekte zur Verfügung gestellt. „Österreich hat es allerdings nicht abgeholt und die Chance verstreichen lassen, frühzeitig ein Programm zu implementieren.“

Versorgungslücken bei der Frauengesundheit schließen

Bei frauenspezifischen Gesundheitsthemen zeigt sich ein struktureller Mangel in relevanten Fachgebieten wie etwa Gynäkologie und Geburtshilfe. Jede dritte gynäkologische Kassenordination kann aufgrund der Auslastung keine neuen Patientinnen mehr aufnehmen. Zudem sind derzeit weder die Bestimmung des Eisenstatus noch des Schilddrüsenwerts TSH Teil der Vorsorgeuntersuchung – obwohl etwa 70 Prozent aller Schilddrüsenerkrankungen Frauen betreffen und Eisenmangel insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter häufig auftritt. „Darüber hinaus müssen wir uns die Frage stellen, warum nur etwa die Hälfte aller Frauen sowohl die möglichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, Tumoren an Gebärmutter oder Eierstöcken als auch radiologische Untersuchungen zur Brustkrebs-Prävention in Anspruch nimmt“, sagt Kamaleyan-Schmied. „Eine moderne, geschlechtersensible Gesundheitsversorgung muss frauenspezifische Bedürfnisse in allen Lebensphasen ernst nehmen. Und zwar von der ersten Periode bis über die Menopause hinaus.“

Krankenhausentlastende Maßnahmen im niedergelassenen Bereich

Eine starke hausärztliche Versorgung senkt Hospitalisierungen, ermöglicht frühere Diagnosen und verbessert das Management chronischer Erkrankungen. Aktuell besteht hier aber nicht nur eine deutliche Schieflage zwischen Versorgungsbedarf und verfügbaren Ressourcen, sondern viele Untersuchungen, die Hospitalisierungen verhindern können, werden nicht von der Gesundheitskasse übernommen. „Wenn wir die Möglichkeit hätten, im Verdachtsfall niederschwellig Influenza-,
COVID-, RSV- oder sogenannte CRP-Tests durchzuführen, könnten wir Ärztinnen und Ärzte mit einer rechtzeitigen, gezielten Therapie schwere Verläufe verhindern,“ erklärt Kamaleyan-Schmied. „Darüber hinaus würden weniger Antibiotika- Resistenzen aufgrund fälschlicher, übermäßiger Gabe entstehen.“

Notwendige Maßnahmen zur Modernisierung der Gesundheitsvorsorge:

  • Kindervorsorge: Schließen der Lücke zwischen 6. und 18. Lebensjahr
  • Ausweitung des Impfprogramms für Schwangere
  • Organisiertes Prostatakrebs-Screening für Männer ab 50 Jahren, inklusive PSA-Untersuchung und persönlicher Einladung
  • Aufnahme von TSH-Wert und Eisenstatus in den Vorsorgekatalog für Frauen
  • Kostenlose Influenza-, COVID-, RSV- und CRP-Tests in Ordinationen

Ausbildung – ein Miteinander über Generationen

2026 wird ein Jahr mit großen Herausforderungen für das Gesundheitssystem. „Viel wird gerade über Reformen und Umstrukturierungen im Gesundheitswesen diskutiert, auch die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien wird und hat Reformvorschläge erarbeitet, um den Gesundheitssektor fit für die kommenden Herausforderungen zu machen“, so Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obmann der Kurie angestellten Ärzte.

Ein Schwerpunkt der Kurie angestellte Ärzte wird unter anderem darin liegen, konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie die Wiener Spitäler fit für die Zukunft gemacht werden können. Mit dem Arbeitsprogramm „Machen wir Wien wieder zum Zentrum internationaler Spitzenmedizin“ präsentierte sie bereits die aus ihrer Sicht ersten notwendigen Schritte, um neue wichtige Impulse zu setzen.

Ein wichtiges Thema 2026 wird die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen in Wiener Spitälern sein. „Ausbildung und Erfahrung bedingen einander, wir brauchen daher ein durchdachtes Miteinander über Generationen“, ist Maldonado-González überzeugt. „Es braucht fixe Ausbildungszeiten im Dienstplan von zumindest 20 Prozent, und zwar sowohl für Ausbildnerinnen und Ausbildner als auch für Auszubildende. Während dieser Zeiten sollten keine Routinetätigkeiten übernommen werden müssen, damit sie ausschließlich der Ausbildung zugutekommen. Dies stärkt längerfristig auch die Gesundheitsversorgung.“

Zum anderen sollte es ausbildungsverantwortliche Fachärztinnen und -ärzte geben, die die Organisation und Durchführung von Aus- und Fortbildungen innerhalb der Abteilungen gewährleisten: Erstellung und Evaluierung von Ausbildungskonzepten, Absprache mit dem/der Dienstplanverantwortlichen, um eine transparente Rotation in Spezialbereiche wie Ambulanz und OP zu gewährleisten. Maldonado-González: „Es braucht an jeder Abteilung ausbildungsverantwortliche Fachärztinnen und -ärzte, die rund 50 Prozent des Anstellungsausmaßes ausschließlich der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses widmen können. Nur so können gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte garantiert werden und keine Frustration bei den Jungen aufkommen.“ Ein weiterer wichtiger Schritt: ein strukturierter Karriereplan, der Ärztinnen und Ärzte ab dem ersten Tag begleitet, Orientierung gibt und in regelmäßigen Gesprächen angepasst wird.

Einsparungen nicht auf Kosten der Ärztinnen und Ärzte oder Patientinnen und Patienten

„Auf den ersten Blick wirkt der Gesundheitsbereich mit seinen öffentlichen Ausgaben so, als ob hier besonders leicht eingespart werden kann. Man darf aber dabei nicht vergessen, dass der Gesundheitsbereich auch ein wichtiger Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor ist“, stellt Vizepräsident Maldonado-González fest.

„Ohne Personal zu finden und zu binden, kann die Stadt Wien nicht die Gesundheitsversorgung anbieten, die sich die Wienerinnen und Wiener verdient haben. Die Stadt muss sich um ihr Personal kümmern, damit lange Wartezeiten und ein Herumreichen der Patientinnen und Patienten endlich ein Ende haben.“

Dazu braucht es unter anderem auch marktkonforme Gehälter. Das Burgenland hat durch die Marktzulage bereits das Gehalt deutlich attraktiviert. Bereits 2024 hat Niederösterreich mit dem Vollzeitbonus von 1.000 Euro die Gehälter attraktiver gestaltet und erreicht dadurch, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte von Teil- auf Vollzeit gewechselt haben und es einen Anstieg bei den Spitalseintritten von 16,7 Prozent gab. Wien hinkt hier im Bundesländervergleich bei den Gehältern deutlich nach. Ebenso muss bei der Reduktion des Bürokratieaufwands angesetzt werden. Dazu braucht es einen Ausbau des „Klinisch Administrativen Diensts“ (KAD), indem eine ausreichende Anzahl unterstützender Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aufgenommen wird; weiters eine Qualifizierungsoffensive und Neudefinition des Tätigkeitsbereichs für den KAD.

„Machen wir daraus eine qualifizierte Lehrstelle. Es kann nicht sein, dass Ärztinnen und Ärzte immer noch ihre Dienstzeiten damit verbringen, Patientenbriefe zu schreiben. Wir warten schon zu lange darauf, dass hier entsprechende Maßnahmen gesetzt werden. Hier könnte Zeit gespart werden, um mehr Zeit für Patientinnen und Patienten zu haben. Zudem würde es zu einem erheblichen Bürokratieabbau in den Spitälern führen“, so Maldonado-González.

Eine Digitalisierung von Prozessen inklusive der flächendeckenden Ausrollung von Patient*innendatenmanagementsystemen (PDMS oder elektronische Fieberkurve) ist eigentlich Standard für die Medizin des 21. Jahrhunderts. Maldonado-González: „Es braucht eine flächendeckende Ausrollung auf ganz Wien in allen Häusern, damit wäre eine Verständigung auch unter den Häusern schneller und effizienter zu gestalten.“

Ebenso notwendig ist zentrales Bettenmanagement in jedem Spital mit einem eigenen 24/7-Dienstrad, um eine rasche, unkomplizierte und fachgerechte stationäre Versorgung zu ermöglichen. „Ärztinnen und Ärzte verbringen noch immer zu viel Zeit damit, nach freien Betten im Krankenhaus zu suchen. Zeit, die dann wiederum für die Patientinnen und Patienten fehlt.“

Wiener Medizinischer Kongress – Wissenschaft, die bewegt

In diesem Jahr wird es auch eine Premiere geben: Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien veranstaltet im April 2026 den 1. Wiener Medizinischen Kongress im Schloss Schönbrunn. „Hochwertige und konsequente ärztliche Fort- und Weiterbildung bildet die Grundlage für eine qualitätsvolle und patientenorientierte Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig wird es für viele Ärztinnen und Ärzte zunehmend herausfordernd, sich ein breites, interdisziplinäres Überblickswissen anzueignen. Genau hier setzt der 1. Wiener Medizinische Kongress an“, sagt Eduardo Maldonado-González.

Der Kongress wird ganz im Zeichen des fachlichen Dialogs stehen. „Medizinerinnen und Medizinern sämtlicher Fachrichtungen wird eine hochwertige, praxisnahe Fortbildung geboten, die sich am aktuellen Stand der Medizin orientiert und gleichzeitig den interdisziplinären Austausch fördert.“ Die Themen reichen von der Primärprävention über Schmerztherapie in der Palliativmedizin bis hin zu immer häufiger auftretenden Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Alzheimer, Demenz, ME/CFS und Long Covid. Aber auch junge Forschungsdisziplinen wie Gendermedizin, Psycho-Neuro-Immunologie oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Medizin werden in Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops adressiert.