Infos für Lehrpraxisleiter

Eine Lehrpraxis soll jungen Kolleginnen und Kollege in Ausbildung die Möglichkeit geben, auch außerhalb des Krankenhauses bzw. eines Ambulatoriums Erfahrung zu sammeln.

Um Ihnen die Aufnahme eines Lehrpraktikanten zu erleichtern, finden Sie im Folgenden einige wichtige Informationen für Lehrpraxisinhaber/Lehrgruppenpraxisinhaber:
 


WICHTIGER Hinweis für Lehrpraxisinhaber/Lehrgruppenpraxisinhaber:
Das Lehrpraxis-Referat ersucht die Lehrpraxisinhaber sämtliche Änderungen, wie z.B. Ordinationsverlegungen, Namensänderungen, vorzeitige Lösungen des Dienstverhältnisses etc. umgehend der Ärztekammer für Wien bekanntzugeben.



Änderungen durch die Ärzteausbildungsordnung 2015

Im Rahmen der Absolvierung der alten Ausbildungsordnung (ÄAO 2006) bleiben die bisherigen Lehrpraxisberechtigungen aufrecht. Dies gilt sowohl für die Allgemeinmediziner- als auch für die Facharztausbildung. Neue Berechtigungen für die alte Ausbildungsordnung können nach der Ärztegesetznovelle nicht mehr erteilt werden.

Um Lehrpraktikanten nach der Ärzteausbildungsordnung 2015 ausbilden zu können, muss um eine neue Lehrpraxisberechtigung angesucht werden. Alle Informationen hierzu finden Sie unter dem Menüpunkt „Wie wird man Lehrpraxisleiter?"
 

Wie findet man einen Lehrpraktikanten?

Sobald eine Lehrpraxisberechtigung durch die Österreichische Ärztekammer erteilt wurde, erfolgt eine automatische Eintragung in das Ausbildungsstättenverzeichnis der Österreichischen Ärztekammer. Dieses kann von interessierten Turnusärzten/Assistenzärzten jederzeit aufgerufen werden. Ein erster Kontakt erfolgt dann oft persönlich oder telefonisch.

Selbstverständlich gibt es über die Homepage der Ärztekammer für Wien auch die Möglichkeit, kostenlos ein Inserat für ein Stellengesuch zu schalten. Die entsprechenden Einträge finden Sie hier.

Für die Schaltung eines Inserats steht Ihnen die Servicestelle für Studenten, Jungmediziner und medical jobmatching (Tanja Rozsenich, Tel. 51501/1404, rozsenich@aekwien.at) gerne zur Verfügung.

Sollten Sie über eine Lehrpraxisberechtigung verfügen, aber derzeit keine Lehrpraktikanten aufnehmen können/wollen, können Sie sich über das Referat Lehrpraxis und Arztprüfung in die Liste der derzeit ruhend gemeldeten Lehrpraxen (siehe Downloadbereich) eintragen lassen.
 

Welche Voraussetzungen für die Aufnahme der Tätigkeit als Lehrpraktikant gibt es?

Jede Ärztin bzw. jeder Arzt hat sich vor Aufnahme der ärztlichen Tätigkeit bei der Standesführung der zuständigen Landesärztekammer in die Ärzteliste einzutragen. Ohne Eintragung in die Ärzteliste ist kein Arzt zur ärztlichen Berufsausübung in Österreich berechtigt; dies gilt auch für Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung. Auch jede Beendigung einer ärztlichen Tätigkeit ist meldepflichtig.

Bei der Anmeldung der Tätigkeit in einer Lehrpraxis/Lehrgruppenpraxis ist jedenfalls ein Dienstvertrag/Dienstzettel sowie eine Kopie der Anmeldung bei der Sozialversicherung (WGKK) vorzulegen.

Auch der Dienstgeber ist nach dem Ärztegesetz verpflichtet den Beginn, eine allfällige Unterbrechung, etwaige Änderungen im Beschäftigungsausmaß sowie das Ende der Lehrpraxis der zuständigen Ärztekammer zu melden. Die Meldung hat an die Standesführung der Ärztekammer für Wien zu ergehen (standesfuehrung@aekwien.at). Ergänzend kann der Beginn, der Wechsel, die Unterbrechung, die Änderung des Ausbildungsausmaßes und der Abschluss der Ausbildung eines Turnusarztes auf elektronischem Weg über eine eigene Ausbildungsstellenverwaltungsapplikation (ASV) gemeldet werden, die gleichzeitig die Gültigkeit der vorgenommenen Meldung überprüft. Vorrangiges Ziel der ASV ist es, dass Ärzte in Ausbildung nach ÄAO 2015 über eine lückenlose elektronische Auflistung ihrer Meldungen verfügen. Für den Erhalt der Zugangsdaten zur ASV wenden Sie sich bitte an die Österreichische Ärztekammer (s.ehn@aerztekammer.at).

Verpflichtungen bei Aufnahme eines Lehrpraktikanten

Bei Beginn eines Dienstverhältnisses entstehen für den Dienstnehmer und für den Dienstgeber weiters Verpflichtungen, die aus dem Arbeits- und Abgabenrecht resultieren. Wir ersuchen um Verständnis, dass Sie in der folgenden Aufstellung nur die wichtigsten arbeits- und aufgabenrechtlichen Verpflichtungen finden und weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Bedarfsfall auch weitere Verpflichtungen mit dem Anstellungsverhältnis einhergehen können.

  1. Abschluss eines Dienstvertrages oder Ausstellung eines Dienstzettels
  2. Anmeldung bei der Sozialversicherung
    Die Dienstgeber haben jeden von ihnen beschäftigten Dienstnehmer vor Arbeitsantritt beim zuständigen Träger der Krankenversicherung anzumelden.
  3. Legitimation des Arbeitnehmers beim Arbeitgeber
    Bei Antritt des Dienstverhältnisses hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber unter Vorlage einer amtlichen Urkunde Name, Versicherungsnummer und Wohnsitz bekannt zu geben.
  4. Anlage eines Lohnkontos/Mitarbeiter-Vorsorgekasse
     

Lehrpraxis-Einzelvertrag

Im Rahmen der Ausbildungsreform wurde neu eingeführt, dass für die Anstellung von Lehrpraktikanten ergänzend ein Lehrpraxis-Einzelvertrag mit der örtlich zuständigen Gebietskrankenkasse (in cumulo für alle Sozialversicherungsträger) abgeschlossen werden muss. Der Lehrpraxis-Einzelvertrag ist einmalig abzuschließen, unabhängig davon wie viele Lehrpraktikanten Sie künftig ausbilden.

Ohne Abschluss eines Lehrpraxis-Einzelvertrags ist die Ausbildung von Lehrpraktikanten nicht zulässig. Der Abschluss des Lehrpraxis-Einzelvertrags ist sowohl für Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin als auch für Fachärztinnen und Fachärzte verpflichtend. Das Anerkennungsdatum als Lehrpraxis stellt den Vertragsbeginn dar.

Rechtliche Grundlage des Lehrpraxis-Einzelvertrags ist der zwischen der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte der ÖÄK und dem Hauptverband abgeschlossene Lehrpraxis-Gesamtvertrag. Der Lehrpraxis-Gesamtvertrag bildet die bereits bisher für die Lehrpraxistätigkeit geltenden Regelungen ab. Diese sind insbesondere:

  • Tätigkeitsumfang des Lehrpraktikanten unter Ihrer Anleitung und Aufsicht: Untersuchung und Behandlung der Patienten inkl. der Ausstellung von Rezepten, Überweisungen, Bestätigungen sowie Attesten
  • Verrechenbarkeit der vom Lehrpraktikanten erbrachten Leistungen mit den Sozialversicherungsträgern
  • Information der Patienten über ein Tätigwerden des Lehrpraktikanten vor Behandlungsbeginn
  • Beschränkung der Anstellung von Lehrpraktikanten auf die vorgeschriebene Ausbildungsdauer

 

Darf ein Allgemeinmediziner/Facharzt als Lehrpraktikant in einer Lehrpraxis arbeiten?

Die Tätigkeit in einer Lehrpraxis/Lehrgruppenpraxis ist auch mit einem Jus Practicandi bzw. einem Facharztdiplom möglich – allerdings darf die Ärztin bzw. der Arzt nicht in jener Fachrichtung, für welche sie/er bereits eine Berufsberechtigung besitzt, als Lehrpraktikant tätig werden.
 

Wie viele Lehrpraktikanten dürfen in einer Lehrpraxis arbeiten?

In der Lehrpraxis darf nur ein Lehrpraktikant ausgebildet werden.

In einer Lehrgruppenpraxis ist es grundsätzlich auch möglich mehrere Lehrpraktikanten gleichzeitig auszubilden. Dies hängt von der Anzahl der anerkannten Ausbildungsstellen ab.
 

Muss ein Lehrpraktikant in der Ordination/Gruppenpraxis angestellt sein?

Die Ausbildung hat im Rahmen eines bezahlten Arbeitsverhältnisses zum Lehrpraxisinhaber/ Lehrgruppenpraxis zu erfolgen.

Bei Antritt des Dienstverhältnisses besteht Anspruch auf Aushändigung eines Dienstzettels mit bestimmten Mindestinhalten wie Beginn und bei Befristung auch Ende des Dienstverhältnisses, Kündigungsbestimmungen, Dienstort, Einstufung und Arbeitsentgelt, vereinbarte Arbeitszeit, Überstundenregelung sowie Ausmaß des jährlichen Erholungsurlaubes.
 

Darf der Lehrpraktikant zu Tätigkeiten außerhalb der Lehr(gruppen)praxis herangezogen werden?

Auszubildende dürfen grundsätzlich nur bei Anwesenheit des Ordinationsinhabers bzw. seiner Vertretung in der Ordination tätig werden.

Aufsicht ist allerdings nicht als Draufsicht zu verstehen, d.h. der Lehrpraxisinhaber muss nicht stets neben dem Auszubildenden stehen bzw. sich im selben Raum aufhalten. Die Dosierung der Aufsicht hängt einerseits von den Tätigkeiten, die dem Turnusarzt/Assistenzarzt übertragen werden, aber andererseits auch von dessen persönlichen Fähigkeiten und dessen Entwicklung ab. Unterste Schwelle der Aufsicht ist aber wie gesagt die Anwesenheit des Ordinationsinhabers bzw. seiner Vertretung.

Falls Hausbesuche oder Visiten in Alten- bzw. Pflegeheimen durchgeführt werden, sollte die Möglichkeit bestehen, daran teilzunehmen. Bei Lehrpraxen/Lehrgruppenpraxen operativer Fächer besteht im Einzelfall auch die Möglichkeit, zu Assistenztätigkeiten außerhalb der Ordination mitgenommen zu werden.
 

Ausstellung eines Rasterzeugnisses

Die Rasterzeugnisse bilden die zu vermittelnden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten des jeweiligen Ausbildungsfachs ab. Weiters sind in den Rasterzeugnissen Urlaubs-, Erkrankungs- und sonstige Verhinderungs- sowie Unterbrechungszeiten anzugeben.

Der Lehrpraxisleiter/Lehrgruppenpraxisleiter ist verpflichtet unverzüglich am Ende der Ausbildungszeit ein Rasterzeugnis auszustellen.

Der Lehrpraxisinhaber bestätigt somit mit seiner Unterschrift, dass die geforderten Kenntnisse und Fertigkeiten erfolgreich vermittelt und vom Turnusarzt/Assistenzarzt erworben wurden.

Selbstverständlich soll auch der Turnusarzt bzw. der Assistenzarzt die Möglichkeit erhalten, auf dem Rasterzeugnis allfällige Anmerkungen schriftlich zu vermerken.
 

Die entsprechenden Formulare der Rasterzeugnisse finden Sie auf der Homepage der Österreichischen Ärztekammer (Rasterzeugnisse ÄAO 2015 | Rasterzeugnisse ÄAO 2006).
 

Haftung

Grundsätzlich haftet der Lehrpraxisinhaber/die Lehrgruppenpraxisinhaber als Dienstgeber für Schäden, die der Lehrpraktikant als sein Dienstnehmer schuldhaft verursacht. Diese Haftung resultiert aus dem Behandlungsvertrag mit der Patientin bzw. dem Patienten und daraus, dass sich der Lehrpraxisinhaber /die Lehrgruppenpraxisinhaber Fehler jener Personen, die für ihn tätig werden, zurechnen lassen muss. Die gesetzliche Haftpflichtversicherung umfasst allerdings auch die Mitversicherung des Lehrpraktikanten. Der Lehrpraktikant haftet dann zusätzlich auch persönlich, wenn er eine Patientin bzw. einen Patienten schuldhaft in dessen Rechtsgütern (z.B. Gesundheit) schädigt. Im Schadensfall kann die Patientin bzw. der Patient daher im Regelfall sowohl den Lehrpraxisinhaber / die Lehrgruppenpraxisinhaber als auch den Lehrpraktikanten in Anspruch nehmen und auf Schadenersatz belangen.