Angebot an Ärzten im Gemeindebau wird ausgebaut

In einer gemeinsamen Initiative setzen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres Impulse zu einer besseren Versorgung mit praktischen Ärzten im Wohnumfeld

Die ärztliche Nahversorgung in der unmittelbaren Wohnumgebung ist von unschätzbarem Wert. Losgelöst davon, dass ab sofort leerstehende Ordinationen direkt durch die Ärztekammer an ihre suchenden Mitglieder vermittelt werden, hat Wiener Wohnen begonnen, freie arztpraxistaugliche Geschäftslokale umzuwidmen und als Ordinationsräume anzubieten. Gleichzeitig können Ärztinnen und Ärzte Wiener Wohnen ihre Präferenzen für ein bestimmtes Grätzl oder eine Wohnhausanlage bekanntgeben. Sollte dort keine Ordination zur Vermietung frei stehen, prüft auch hier Wiener Wohnen die Tauglichkeit infrage kommender Geschäftslokale.

Ludwig: „Praktische Ärztinnen und Ärzte zählen zu den wichtigsten Vertrauenspersonen unserer Gesellschaft. Als wachsende Stadt müssen wir dafür sorgen, dass uns diese wichtigen Anlaufstellen auch in Zukunft in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen – ich habe mich daher entschlossen, Ärztinnen und Ärzten die auf der Suche nach leistbaren Ordinationen sind, im Schulterschluss mit der Ärztekammer in den Gemeindebauten kostengünstig barrierefreie Geschäftslokale anzubieten und in Ordinationen umzuwidmen.  Ich sehe auch den Gemeindebau ja als Dorf in der Stadt, und damit ein Dorf richtig funktioniert, braucht es auch einen Arzt, den man kennt und der sich um all seine Bewohner kümmert, wenn man sich einmal nicht so gesund fühlt."

Appell an den Gesetzgeber - Umsatzsteuergesetz muss Vermietung von Ordinationen wieder attraktiv machen.

Im Hinblick auf das gültige Umsatzsteuergesetz ist es für Vermieter unattraktiv, ihre Räumlichkeiten an Ärztinnen und Ärzte als Ordinationen vermieten, da für sie keinerlei Möglichkeit besteht, für Aufwendungen rund um Instandhaltung und Instandsetzung des Objekts Vorsteuerabzug geltend zu machen. Im gemeinsamen Schulterschluss appellieren nun Ludwig und Szekeres an den Bundesgesetzgeber, die Bestimmungen insofern abzuändern, als die Möglichkeit zum Vorsteuerabzug (Option zur Steuerpflicht) für den Vermieter selbst dann gegeben sein soll, wenn der Mieter Umsätze tätigt, die wie im Falle der Ärzteschaft nicht der Umsatzsteuer unterliegen.

Szekeres: „Viele Kolleginnen und Kollegen gehen nach erfolgter Ausbildung ins Ausland, wo es oft bessere Berufsbedingungen gibt. Und es gibt steuerliche Nachteile für den Vermieter, wenn der Mieter ein Arzt oder eine Gruppenpraxis ist. Der Vermieter kann Investitionen nämlich nicht geltend machen, wenn der Mieter ein Arzt ist, der selbst im Interesse der Patienten Umsatzsteuer befreit ist. Dadurch vermieten viele Eigentümer nicht mehr an Ärztinnen und Ärzte, oder sie verlangen wesentlich höhere Mieten, die am Ende wieder die Sozialversicherung, oder beim Wahlarzt der Patient, zahlen. Das gehört raschest abgeschafft – vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass es allein in Wien, das jährlich um bis zu 40.000 Menschen wächst, um 300 Kassenordinationen zu wenig gibt. Ich freue mich und unterstütze daher die Stadt Wien bei ihren Bemühungen, Erleichterungen bei der Standortsuche für Arztordinationen herbeizuführen und auch ungeachtet der steuerlichen Nachteile zu begünstigten Bedingungen an Ärztinnen und Ärzte zu vermieten. Damit hilft die Stadt den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und sorgt für eine wohnortnahe medizinische Versorgung."

Im Konkreten wird dies durch eine Kooperation von Wiener Wohnen und Ärztekammer für Wien umgesetzt. Durch Vermittlung der Ärztekammer erhalten Ärztinnen und Ärzte, bevorzugt Kassenärzte, freie Immobilien von Wiener Wohnen in allen Regionen Wiens zu günstigen Tarifen. „Es war schon bisher eine gute Usance in Wien, dass Kassenärzte in gemeindeeigenen Objekten ordinieren. Dies wird nun – in Anbetracht der schlechten steuerlichen Situation und der Problematik, barrierefreie Ordinationsräumlichkeiten in Wien zu finden – zu neuem Leben erweckt. Vergessen wir dabei auch nicht, dass jede Ordination mehr in Wien eine Entlastung der teils hoffnungslos überfüllten Spitalsambulanzen darstellt", betont Szekeres.

Umwidmung von Geschäftslokalen in Ordinationen

Der Gemeindebau ist unter Ärztinnen und Ärzten bereits jetzt eine beliebte Wahl für ihre Tätigkeit. Über 560 aufrecht vermietete Arztpraxen gibt es derzeit in den städtischen Wohnhausanlagen – das heißt, jedes zehnte Geschäftslokal im Gemeindebau ist schon jetzt als Ordination vermietet. Damit ergibt sich eine ausgezeichnete medizinische Versorgung der Bewohner und Anrainer. Spitzenreiter unter den Bezirken sind Floridsdorf mit 66 Ordinationen, Donaustadt mit 65 und Simmering mit 56. Im Gemeindebau finden sich nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Kinderärzte, Augenärzte, Orthopäden, Zahnärzte, Hautärzte und sogar ganze Gemeinschaftspraxen mit umfassenden Spezialisierungen, etwa Psychotherapie und Physiotherapie.

Insbesondere für Menschen mit Einschränkungen ihrer Mobilität ist ein stufenloser Zugang zu den ärztlichen Nahversorgern ein wichtiges Plus. Neue Kassenärzte müssen bereits einen stufenlosen Zugang für ihre Patienten ermöglichen, bestehende Ordinationen ihre Räumlichkeiten entsprechend dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz anpassen und Barrieren abbauen. „Wir unterstützen die Wiener Ärztinnen und Ärzte, indem wir bestehende Geschäftslokale zu Ordinationen umwidmen, wenn diese einen geeigneten Grundriss aufweisen und bereits einen stufenlosen Zugang haben oder so umgebaut werden können. Alleine im vergangenen Jahr konnten wir damit 25 weitere Arztpraxen in Gemeindebauten schaffen", erklärt Karin Ramser, Direktorin von Wiener Wohnen.

Großes Interesse bei Ärzten

Das Interesse von Ärztinnen und Ärzten für eine Ordination im Gemeindebau ist stark zunehmend. Gab es 2016 29 Anmeldungen für Räumlichkeiten, waren es 2017 bereits über 56. Gründe dafür sind günstige Mieten – die Nettomiete für eine Ordination liegt in der Regel zwischen 5,39 und 7,00 Euro pro Quadratmeter – und ein vielfältiges Angebot an geeigneten, stufenlosen Ordinationsräumlichkeiten.

 

Ärztinnen und Ärzte, die auf der Suche nach passenden Ordinationsräumen sind, finden aktuelle Angebote auf der Internetseite von Wiener Wohnen (www.wienerwohnen.at). Die jeweiligen Angebote beinhalten Fotos und Grundrisse, Angaben zur monatlichen Miete sowie die Möglichkeit zur direkten Anmeldung. Weiterführende Informationen gibt es auch an der Wiener Wohnen Service-Nummer (05 75 75 75).